Ein Toast für zwei und das kleinste Restaurant in Porto

Herbstferien, das heißt Urlaub machen… am besten mit Wind und/oder Wellen — wenn noch Sonne dazukommt: Optimal. Portugal ist hier hinsichtlich des Kosten/Nutzen-Faktors durchweg ’ne sichere Bank zu der Zeit. Auf unserem Weg nach Peniche ging es also erstmal, wie so oft, über den Flughafen Weeze nach Porto.

Aufgrund der Verkettung unglücklicher Zufälle gepaart mit unserer eigenen Unorganisiertheit (Zauberwort: Kreditkartenlimit!) konnten wir, nicht wie geplant, direkt nach Peniche fahren, sondern mussten das Wochenende erstmal in Porto bleiben, da wir unseren Mietwagen, dank Banklaufzeiten, erst Montag oder Dienstag bekommen sollten.

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Ohne Mietwagen, im verregneten Porto durften wir also unsere ca 80kg Surf- und Kitegepäck vom Flughafen, über 2 Metrostationen durch die Altstadt mit ihren Steilhängen schleppen, um irgendwann gut angeschwitzt in unserem Apartment anzukommen — Ein wahrer Glücksgriff, wie sich letztlich herausstellte.
Die nächsten 2 Tage nutzten wir in erster Linie um Porto und seine Köstlichkeiten zu entdecken und zumindest hier wurden wir nicht enttäuscht.

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Unsere erste Adresse, und daraufhin fester Fels in unserem Portoaufenthalt, war die offensichtlich recht beliebte Dona Maria Pregaria. Zunächst mal ist hier warten angesagt. Wir vertrieben uns die gute halbe Stunde auf dem Bordstein mit ein paar Sangria und Rotwein und studierten nebenbei schonmal die Karte: Eine Auswahl an Pregos (portugiesische Steak-Sandwiches) und hausgemachten Burgern ließ einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Wir entschieden uns beide für das „Dona Maria“ Prego mit hausgemachten Süßkartoffel-Fries. Geschmacklich eine absolute Offenbarung. Unfassbar zartes Rindfleisch in hausgemachtem Brötchen mit einer Spezialsauce nach Art des Hauses… wenn ich dran denke könnte ich direkt 10 davon essen. Leider war ich so satt, dass kein Zweites mehr reinpasste.

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(Prego mit Serra-Käse, einen Tag später) 

Der Morgen danach:
Nach einer langen Nacht startet man in Porto am besten mit ’nem Konterbier und einem Francesinha (übersetzt: kleine Französin) in einer der zahlreichen kleinen portugiesischem Lokale. Francesinha ist eine lecker-widerliche lokale Spezialität; im Prinzip ein mehrschichtiges Sandwich aus Toast, Kochschinken, Wurst, Steak-artigem Rindfleisch und haufenweise Käse. Das Ganze schwimmt dann in einem Bratensauce ähnelndem Sud aus Tomaten, Senf, Bier, Wein und Brandy sowie diversen geheimen Zutaten des Hauses. Ihr bekommt Francesinha im Prinzip überall — geht einfach darein, wo die meisten Locals rumhängen und es am Lautesten zugeht. Danach kann man sich im Prinzip auch am besten auf schnellstem Wege wieder ins Bett begeben, um seinem Foodkoma zu erliegen. Gesagt getan.

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Um die Verdauung und den Appetit wieder anzuregen, sei eine Douro-Rundfahrt samt Portweinverköstigung und/oder Portweinkellerbesichtigung ans Herz zu legen — davon hat Porto, man könnte es erahnen, nämlich einige zu bieten. Man könnte meinen, die halbe Stadt besteht irgendwie aus Portweinläden, Bars und schönem altem Gemäuer. Aber vorsicht: Lasst es bleiben, falls ihr den Tag danach irgendwas Sinnvolles anstellen wollt… der gemeine Portweinschädel ist einer der Unliebsamsten. Dennoch ist so ein Portweinsonntag eine wunderbare Möglichkeit einem tristen Tage etwas Farbe einzuhauchen. Salut!

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Kommen wir zum eigentlichen Highlight unseres kulinarischen Ausflugs: 5 Gang Dinner bei Porta4.
Noch während unserer Überlegungen und etwas ziellosen Suche nach etwas Essbarem kamen wir bei diesem kleinen und unscheinbaren Lokal vorbei. Meine Neugierde trieb mich dazu mal durch die Scheibe zu luken, um rauszufinden, was diese wohnzimmerartige Lokalität mit offener Küche wohl sein mag. Wie sich herausstellte, war es tatsächlich ein Restaurant — welches zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen war. Dank der Verkettung glücklicher Zufälle (danke Karma!) bekamen wir nach erster Absage, weil ausgebucht einen Rückruf der Besitzer und das Angebot einen Tisch samt 5 Gang Menü, um 20:30 zu bekommen. Gesagt getan. Dort angekommen betraten wir bereits das komplette gefüllte Restaurant. Voll im Sinne von: Alle vorhandenen 10 Plätze der 4 Tische waren bis auf 2 freie Stühle direkt an der „Küche“ belegt. Man fühlt sich direkt wie in einer zu kleinen Wohnküche einer WG, da man so eng mit den anderen Gästen beisammen sitzt, dass man nicht nur unweigerlich ins Gespräch kommt, sondern direkt ein Gefühl der Gemeinsamkeit entsteht.

Die beiden supernetten Betreiber und Köche des Restaurants (deren Namen mir leider entfallen sind, danke an den Wein) tun ihr Übriges dazu. Auuf sehr unterhaltsame Art und Weise wurden wir den Abend über mit kleinen und größeren portugiesisch-internationalen Köstlichkeiten bekocht, die Ihresgleichen suchen. Von abgefahrenen portugiesischen Loempia-Variationen,  über frisch-Fisch-gart-am-Tisch-Suppe bishin zu Basilikum-Eis mit Balsamicosauce war das Essen mit Abstand das beste der gesamten Reise. Die beiden werden es auf jeden Fall noch weit bringen und solltet ihr mal in Porto sein, schaut unbedingt dort vorbei. Am anderen Tisch saß eine Gruppe Briten und Portugiesen, welche sich den Abend über unzählige Tapas-Variationen teilten und dabei mehrere Flaschen Wein leerten — auch dieses Grüppchen schien mehr als zufrieden mit ihrem Abendprogramm. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen! Das 5-Gang Menü war mit 35,- p.P. jeden Cent wert und die Weindegustation mit 2,-/Glas je Gang auch mehr als fair.

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Am nächsten Tag sollte dann alles Laufen wie geplant und wir konnten unsere Reise nach Peniche fortsetzen. Bericht dazu bald folgend….

  1. Das Menue hört sich großartig an. Solche klitzekleinen Lokale mag ich total gerne. So eine schöne familiäre Beziehung. Über „die kleine Französin“ musste ich grad ziemlich laut lachen – es ist doch beruhigend, wenn auch solch fitnessgestählte Menschen was ungesundes futtern, hihi…
    Lg Haydee

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