Invierno Escapadas en Andalucia

Von der Morgensonne ins erstbeste Straßencafe gelockt, genießen wir den ersten Cafe con Leche bei noch frischen 10° Außentemperatur unter Orangenbäumen und verschlendern das Restkoffein durch Sevilla. Spätestens am imposanten Placa Espana verlässt uns das kulturelle Interesse und das Jucken an den Füßen und der Gedanke an achtzehn Grad warme Wellen in zwei Stunden Entfernung gewinnen die geistige Oberhand. Pläne sind da, um über den Haufen geworfen zu werden und eigentlich war jedem klar dass aus der Stadtbesichtigung unter gegebenen Voraussichten maximal ein Intermezzo wird – laber rababer, wir müssen ans Meer! Vamos!

Bei der Frage, den Jahreswechsel diesmal in Andalusien zu verbringen, mussten wir nicht lange überlegen – Sonne & Meer in der wärmsten Region Europas sind immer besser als die guten Vorsätze mit schlechtem Sekt in Deutschland runterzuspülen.

Wir lassen Sevilla hinter uns und die Menge an Autos auf der Straße gleicht sich mehr und mehr der Vegetation an. Entspannt gleiten wir ohne nennenswerte Behinderungen in Richtung Küste und erreichen nach schon eineinhalb Stunden unser Ziel El Palmar. Unser Feriendomizil liegt inmitten zahlreicher kleiner Ferienhäuser am Camino de Guerrero – dem Pfad des Kriegers, welcher seinem Namen zumindest in gewisser Hinsicht manchen frühen Morgens noch gerecht werden sollte.

Das übersichtliche El Palmar besteht im Grunde aus einer Ansammlung  illegaler Ferienhäuser, sowie einer Küstenstraße an der sich einige Bars sowie Surfshops angesiedelt haben. Im Winter geht es hier ziemlich tranquilo zu – Andalusien hat Offseason und so laufen die meisten Betriebe auf Sparflamme. Lediglich die Surftouristen zieht es im Winter an die Küste des Lichts und vor allem nach El Palmar, welches einen der besten Beachbreaks der Region direkt vor der Haustür hat.

El Palmar Playa mit seinem kleinen Faro
Leere Strände und Lineups im Winter

Die Wetterkarten für die ersten Tage hatten für diese Zeit ungewöhnlich viel Wind auf dem Radar und kündigten mindestens vier Tage mit 20+ Knoten Levante an. Aus weiser Voraussicht packten wir also auch noch unseren Kitekram mit ein und waren mit 80kg Gepäck dekadent überladen, aber auf jeden Fall bestens bewaffnet für alles was die Wettergötter uns entgegensetzen sollten.

Dies waren in den ersten Tagen vor dem Jahreswechsel vor allem überschaubar gefüllte Lineups und glassy Wellen bei leichtem Offshore. Die Bänke produzierten in den Morgenstunden A-frames, von denen die Rechte meist besser lief, die Linken dafür bei zunehmender Teilnehmerzahl weniger frequentiert wurden. Der Morgensurf wird meist mit dem angekündigten und einsetzenden Levante beendet, welcher uns pünktlich in Richtung Lineup am Frühstückstisch treibt.

 

El Palmar Andalusien Surfen

El Palmar Andalusien Surfen

El Palmar Andalusien Surfen

Kaffee mit Tostadas con Queso oder Huevos Revueltos verhelfen zu neuer Energie und Motivation mit Hilfe von Google Maps die Küstenbeschaffenheit der umliegenden Buchten zu studieren, um den zunehmenden Wind für eine Kitesession zu nutzen. Der Levante bläst an der Costa la Luz Offshore, was bis zu einem gewissen Maße für die Wellen perfekt ist – wenn dieser zu stark wird aber auch surfen kaum mehr möglich macht. Ein nach nach Norden oder Süden ausgerichteter Küstenabschnitt wäre perfekt zum Kitesurfen und die Mündung des Caño de Sancti Petri, ca 20km nördlich von El Palmar sieht hierzu unserem Anschein nach perfekt aus – Vamos!

Kein Spaß mit Levante

Beliebte Kitespots erkennt man in der Regel bereits von weitem durch die Schirme am Himmel, doch je näher wir kamen – von Kites keine Spur. Der Grund dafür war relativ schnell gefunden: Der über Land kommende Levante wird nach Norden zunehmend schwächer und böiger, so dass die Bedingungen hier mehr als fragwürdig waren. Eine Hand voll Kiter gesellten sich ebenfalls an den Strand um die Lage zu checken und Nina nam das zum Anlass dem Spot zumindest eine Chance zu geben. Der Spaß war allerdings nur von kurzer Dauer und endete mit einem ausgelösten Kite und einer beinahe-Rettungsaktion aus dem Hafenbecken.

Einsamer Spot an der Flüssmündung von Sankti Petri

Das macht so keinen Sinn – wir packten unseren Kram und verbrachten den Rest des Tages mit Autofahren und Decathlon-Shoppen. Auf dem Rückweg entdeckten wir noch eine Flußmündung in Conil, in direkter Nähe zu El Palmar, welche vielversprechend aussah und für den nächsten Tag angepeilt wurde.

Auf dem Fluß in Conil herschte bereits reges Treiben – allerdings waren es vorwiegend Windsurfer, welche die Flußmündung nutzten um aufs offene Meer zu gelangen. Der Wind war ausreichend stark und konstant, so dass wir dem ganzen eine Chance gaben. Doch auch hier war die Session nicht von all zu langer Dauer – das Wasser war ablaufend und entsprechend der Windrichtung fuhr man mehr quer zum Fluß, was durch die starke Strömung noch zusätzlich erschwert wurde. Wirklich Spaß gab es hier also auch nicht zu holen – nach einer kurzen Session im offenen Meer fand auch diese Session ein zu frühes Ende.

Kitesurfen Andalusien El Palmar

Kitesurfen Andalusien El Palmar

Kitesurfen Andalusien El Palmar

Noch ist nicht aller Tage Abend und alle guten Dinge sind Drei sollte unser Mantra für unseren vorerst letzten Kitetrip werden – nachdem wir eingesehen haben, dass es Richtung Norden nicht besser wird, machen wir uns auf in Richtung Tarifa. Wenn’s irgendwo ballert – dann da. Und Flachwasser wird’s da ja sicher auch irgendwo geben. Zumindest was die Windprognose angeht sollten wir recht behalten – je weiter südlich wir fuhren desto stärker blies der Levante und man musste auch hier feststellen dass Vorhersagen oft maximal eine Tendenz wieder spiegelten und die Realität dann aber doch anders aussieht. In Valdevaqueros, einem traumhaften Strand mit einer kleinen Lagune die aber leider viel zu klein und flach zum kiten war, flogen wir auch ohne Schirm fast weg. Im Wasser gab es nur feinstes Gehacktes und am Himmel war nichts größer als 8qm unterwegs – nein danke. Leider sollte es auch bis Tarifa so bleiben – nur dass hier bei 30 Knoten und mehr gar keiner auf dem Wasser war. Etwas genervt folgten wir dem Rat, nach Palmones zu fahren und obwohl wir nicht wirklich große Lust verspürten, noch Länger im Auto umherzuirren, entschlossen wir uns die paar Kilometer noch abzureißen.

Die 18km von Tarifa schlängeln sich durch die Berge entlang der Küste mit einem durchaus annehmbaren Panoramablick auf die Straße von Gibraltar. In Palmones angekommen war der Kitespot anhand der etwa 100 Schirme am Himmel relativ einfach auszumachen. Der Wind blies hier mäßig und die meisten auf dem Wasser waren mit 10qm und mehr unterwegs. Der Spot liegt im Hafenbecken an einer Flussmündung und bietet dementsprechend Flachwasser im Fluss und ein riesiges Hafenbecken mit kleinen Wellen. Levante kommt hier Side-Onshore somit kann man den Fluss in seiner ganzen Breite nutzen. Es war nicht weiter verwunderlich das alle anderen Spots um Tarifa leer waren – alle anderen Kiter aus der Region waren auch offensichtlich hier unterwegs.

Der Wind ließ die nächsten Tage nach und nachdem wir nun die meisten für uns relevanten Kitespots der Region zumindest mal gesehen hatten – konnten wir uns wieder aufs Surfen konzentrieren.

It’s Swell again.

Das neue Jahr ging sportlich los – 10 Fuß versprach der Forecast, dazu aber auch Regenwetter und ordentlich Onshore-Wind. In El Palmar war an Surfen nicht zu denken. Wir fuhren ein Stück südlich in der Hoffnung auf surfbare Bedingungen zu treffen. Unser erster Stop in Caños sah leider nicht besser aus – alles verblasen, riesig und Close-out. Weiter südlich wollten wir bei Barbate schauen ob Yerbabuena durch die Klippen vielleicht eine bessere Option bietet, aber auch hier machte uns wie zu erwarten der Wind einen Strich durch die Rechnung. Manchmal soll es nicht sein und da uns noch ein paar Tage ins Haus standen, entschlossen wir den Plan Frühsurf mit einem frischen O-Saft und Cafè con Leche in einem Hafen-Cafè in Barbate runterzuspülen.

Sonnenaufgang in Caños

Die nächsten Tage sehen nochmal deutlich besser aus – der Wind ließ langsam nach und die Wellen vor unserer Haustür fanden zum Abschluss nochmal zu Ihrer alten Form zurück.

Unser Fazit

Was bisher nie auf unserem Radar stand hat uns im Nachhinein mehr als Positiv überrascht. Andalusien muss sich vor den typischen europäischen Wintersurfzielen auf jeden Fall nicht verstecken!

Du willst mehr zum surfen in Andalusien erfahren? Hier geht’s zu unserem Spotcheck Andalusien 

Invierno Escapadas en Andalucia
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  1. Schöne Bilder. Schöne Atmosphäre. Und schönes Layout! 🙂

  2. Pingback: Surfen in Andalusien –  El Palmar - Soulmush

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