Surf Panamericana Teil 3: Lobitos

Stetiges tropfen auf die Stirn holt mich aus meinem schwitzigen Schlaf – Regen? In der Wüste? Kann doch nicht sein, denk ich mir und schalte das Licht an. Die seichte Pfütze im Bett und das stetige Tropfen lässt keine Zweifel übrig. Es regnet. In Strömen. Um unser Bett haben sich mittlerweile ein paar kleine Pfützen gebildet und unsere Matratze gleicht an manchen Stellen bereits einem nassen Schwamm. Soweit so amüsant — Wer jetzt, um zwei Uhr Nachts unserem Gastgeber Bescheid sagen geht, wird in einer schnellen Runde Schnickschnackschnuck entschieden: Ich habe die Ehre. Wir haben Glück und das Nebenzimmer ist offensichtlich als einziges nicht von dem undichten Dach befallen und so finden wir dort einen vorerst trockenen Platz zum schlafen. Am nächsten Morgen wird das Ausmaß der nächtlichen Regenfälle ersichtlich: Das gesamte Haus steht zur Hälfte unter Wasser, die Straßen, bzw. Wege sind eine riesige Schlammgrube und zur allseitigen Belustigung ist auch noch der Strom ausgefallen. Wie wir später erfahren sollen, sind wir nicht nur stromlos, sondern es sind auch sämtliche Straßen zur Außenwelt abgeschnitten. Laut unserem Host dürfen wir gerade die ersten starken Regenfälle seit sechs Jahren erleben und oh Wunder – keiner hier ist drauf eingestellt.

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Nachdem uns der Linienbus vor zwei Tagen in Talara, der nächstgelegenen großen Stadt mit Anschluss ans öffentliche Verkehrsnetz ausgespuckt hatte, war erstmal Ratlosigkeit angesagt. Wie, wo geht’s nach Lobitos? Zwei ebenso ratlos aussehende, mit Surfboards bepackte Leidgenossen schienen sich gerade die selbe Frage zu stellen und so wurde kurzerhand beschlossen, das ganze Unterfangen gemeinsam anzugehen. Kaum aus der Busstation raus, waren zwei Tuktuks entgegen aller Richtlinien zur Ladungssicherung bepackt und bereit mit uns für 25 Soles den Weg nach Lobitos anzutreten.

Der Stadtlärm wich und es blieb nur noch das knattern und knarzen des überladenen Tuktuks und statt Müll und Verkehr zog nach kurzer Zeit nur noch Staub  und karge Wüste am nicht vorhandenen Fenster unseres Tuktuks vorbei. Allein das gelegentliche Aufblitzen des Meeres am Horizont wog uns in Gewissheit, doch irgendwie auf dem richtigen Weg zu sein. Nach guten vierzig Minuten passieren wir mitten im Nichts eine Schranke und kurz darauf befinden wir uns auch schon in Lobitos.

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Diese ehemalige kleine englische Militärsiedlung mitten im Nirgendwo im nördlichen Teil der peruanischen Küstenregion ist einer der wenigen Orte zu dem man selbst bei Wikipedia nichts findet und dennoch verschlägt es hier jährlich eine ausreichende Anzahl Surftouristen aus der ganzen Welt hin. Neben der Tatsache dass Erzählungen nach, hier das erste Kino Südamerikas gebaut wurde, sind es heute Surfspots wie Baterias, Punta de Lobitos, Generales, Piscinas und Panamas Rights, welche eingeweihten das Funkeln in die Augen zaubern. Neben diesen Surfspots, inmitten zerfallener alter Baracken der Petroliumindustrie, welche sie vor 100 Jahren hergebracht hat, hat Lobitos nicht viel zu bieten und daher ist es auch nicht verwunderlich, das ausser einer handvoll Surfer und ein paar Arbeitern der örtlichen Ölindustrie hier sonst nie jemand ist.

Der Ort gleicht einer Geisterstadt und gibt mit seinen zerfallenen alten Baracken, dem Schlachthaus und den noch aktiven Ölpumpen ein hervorragendes Filmset für apokalyptische Endzeitstreifen ab. Doch so schön schaurig faszinierend der Ort auch ist, so mittelmäßig sehen aktuell leider die Surfbedingungen aus. Die Hauptattraktion von Lobitos, der Point am großen Strand läuft leider kaum bis gar nicht und auch die umliegenden Spots produzieren wenig brauchbaren Surf.

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Nach etwa 20 Minuten Fußmarsch durch unwirkliches Gelände erreicht man den Pointbreak Piscinas, welcher leider der einzige ist, der dank El Niño aktuell surfbare Wellen hervorbringt und somit, ist der Spot an diesem Abend mit etwa 20 anwesenden Surfern im Wasser ganz gut besucht. Der Einstieg ist etwas tricky, da man vorbei an einem Natursteinpool über die Felszunge in einer Setpause direkt vor den Peak, zwischen die im Wasser befindlichen Felsen springen muss um dann zwischen den Wellen ins Lineup zu gelangen. Geht das ganze daneben, findet man sich unsanft auf den Felsen wieder. Nach 10 Minuten rumstehen am Felsrand schaffe ich es irgendwie mich zusammenzureissen, samt Brett ins Wasser zu springen und nach Vorn ins Lineup zu paddeln.

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Der Takeoff hier ist nicht gerade einfach — wer eine Welle abbekommen will muss sich zu den Locals so tief setzen, dass man direkt vor einem ungemütlich scharfem Fels hockt — wer hier den Takeoff vergeigt, landet wiedermal unsanft auf den Felsen. Irgendwie schaffe ich es eine der großen Wellen etwas zu spät zu erwischen und finde mich nach einem gefühlt 1,5m hohen Drop (vermutlich waren es 0,5m) in der Wand und bleibe wie auch immer auf meinen Füßen – ich ziehe einen langen Turn am neben mir einschlagenden Weißwasser vorbei und freue mich direkt über Gesellschaft, denn der neben mir surfende Peruaner hat wohl nicht mehr damit gerechnet dass der Gringo das Ding noch bekommt — finden wir allerdings beide irgendwie amüsant und er räumt nach kurzem Grinsen das Feld.

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Ich surfe noch ein paar Wellen und genieße den ersten und letzten schönen Sonnenuntergang nach einem Regentag im Wasser. Das Licht des hereinbrechenden Abends ist unbeschreiblich und ich entschließe mich letztlich mein Surfbrett gegen die Kamera zu tauschen um noch ein paar Fotos dieses magischen Flecken Erde zu machen bevor es am nächsten Tag weiter geht in Richtung Süden auf der Suche nach besseren und vermeintlich längeren Wellen. 

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Reiseinfos zu Lobitos:

Hinkommen

Flugzeug oder Bus bis Talara, von dort aus per Collectivo-Taxi (Bus Stop „paradero Lobitos“) für 5 Soles, oder die schnellere, aber nicht unbedingt bequemere Variante per Mototaxi (Tuktuk) für 20-30 Soles nach Lobitos. Die Fahrt dauert je nach gewähltem Gefährt und Fahrer zwischen 20 und 40 Minuten.

Wohnen

Spot-technisch gut gelegen: Lapa Lapa Bungalows, Hotel Relajate oder Natural Surf Lobitos.

Essen

Frischer Fisch am Pier früh morgens kaufen – Alternativ nach ausgiebigem Surf Pizza bei Nachos.

Good to know

In Lobitos gibt es weder Supermarkt noch Geldautomat! Kreditkarten werden nur mancherorts akzeptiert. Transfers nach Talara wo es alles gibt, werden von den meisten Unterkünften organisiert.

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