I Love Montañita — oder doch nicht. Ein Surfreisebericht

In Ecuador scheint irgendwie insgesamt ein bisschen der Wurm drin zu sein. Nachdem meine handliche Heldenkamera und ich in Baños ohne große Worte beschlossen haben, getrennte Wege zu gehen lief auch der Rest nicht mehr ganz so filmreif wie einst geplant. Der Weg von Baños über Quito und dann mit dem Flieger nach Manta um von dort per Taxi nach Montañita zu fahren war so klug wie Samstags Mittags von Dortmund nach Essen über Köln zu fahren. Zwei Tage unterwegs und trotzdem nichts gesehen- kennt man sonst nur von nicht enden wollenden Wochenendeskapaden. Hinterher ist man halt immer schlauer. Seit nunmehr 5 Tagen verweilen wir in Ecuadors Surfer „Hotspot“ und ich hab’ von Montañita nicht viel mehr gesehen als die klimatisierten 4 Wände unseres Hotelzimmers. Nina krank, mieser Surf, Brett beim Shaper weil kaputt. Zugegeben auch hier war unser Start nicht der Beste. Da wäre zum einen die ernüchternde Erkenntnis dass meine Erwartungen an diesen „Surfort“ etwas mit der Realität kollidiert sind. Die Auswahl an Selfiesticks, „I-Love Montanita“-Souvenirs und die Menge Hormongetriebenen Halbwüchsigen auf Erfahrungssuche haben den Einstieg in unsere Surfreise etwas getrübt. Die Anzahl der Menschen die einem allerhand verrückte Mittelchen andrehen wollen, überstiegen das Angebot an Surfshops mit halbwegs vernünftiger Auswahl an Surfboards um ein vielfaches. Sauber is’ anders würd’ Mutti wohl sagen. Viel Zeit bringt Beobachtungsgabe und ich werde, während mein Surfboard geflickt wird zum Forecastkönig auf meinem löchrigen Dachterassenthron aus Plastik: Low bis Mid-Tide kannste’ knicken und am Point lässt einen als Intermediate, wie man sich heutzutage gerne als europäischer Durchschnittssurfer schimpft, eh keiner ran – völlig egal wie das Wasser steht. Einzige direkte Ausweichmöglichkeit bei Lowtide  wäre der Nachbarort Olon, welcher aber leider für uns auch nichts besseres zu bieten hatte außer mieser Wellen aber dafür umso bessere Tacos.

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Spotcheck von unserem Rooftop
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La Punta bei Lowtide
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Sunsetstimmung in Montanita

Davon abgesehen, gestaltete sich der Surfboardkauf ebenfalls alles andere als einfach. Das Angebot an akzeptablen Brettern war insgesamt eher mager, die gebrauchten Planken eigneten sich entweder maximal als Wanddeko oder waren schlichtweg ungeeignet für 1,90m große europäische Landratten. Letzten Endes fand ich für 220$ das einzige scheinbar irgendwie brauchbare Surfbrett aus peruanischer Hand für mich — etwas kleiner als alles was ich bisher gesurft bin und natürlich ohne Finnen, Leash oder weiterem Verhandlungsspielraum. Nachdem ich dem örtlichen Surf-Fotografen einen Satz No-Name Finnen für 35$ aus den Rippen geleiert hatte welche noch leichter Anpassung bedurften damit sie überhaupt passten und ich mir für nur 15$ von einem alten Mann am Strand eine gebrauchte Leash ergattern konnte, durfte ich in der ersten Session die wertvolle Erfahrung machen, dass man niemals auch nur einen Cent an der Leash sparen sollte. Mein neues Brett verabschiedete sich in der ersten Welle in Richtung Steinmole und ich hing ziemlich Brett- und Ratlos im Wasser. Das Trauerspiel endete mit einem Besuch beim örtlichen Brettflicker und danach beim Surfshop um eine neue Leash zu kaufen. Hinzu kam ein weiterer Tag nicht surfen können bei dem ich mir die Sinnhaftigkeit meines Sparverhaltens an dessen Ende eine Rechnung von knapp 80$ stand, in Ruhe nochmal durch den Kopf gehen lassen konnte.

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Auch für Nina konnten wir inzwischen mit viel Mühe ein halbwegs passendes Brett auftreiben, welches zwar seine besten Tage auch schon mehr als hinter sich hatte, aber scheinbar die einzige verbleibende kurzfristige Option auf ein passendes Surfbrett darstellte. Dass dies ebenfalls ein Trugschluss war, sollten wir im späteren Verlauf noch feststellen. Die weitere Zeit verlief ähnlich unrund. Meine Ambitionen am ersten vernünftigen Tag im Wasser wurden glatt mit einer ordentlichen und Flächendeckenden Portion Rash inklusive offener Schürfwunden am Bauch belohnt, so dass hier erstmal Zwangspause für mindestens zwei Tage auf dem Programm stand. Ein Lycra war nicht aufzutreiben, mein Neo war in Guayaquil also blieb nicht viel übrig außer die Zeit mit Bepanthen und viel kaltem Bier zu überbrücken. In solchen Momenten lernt man dann auch mal die positiven Aspekte an solchen Touriorten zu schätzen, denn dank Flächendeckendem WiFi, Vierundzwanzigstundenversorgung mit kaltem Bier und einem umfassenden kulinarischem Angebot an Ungesundem kommt hier auch außerhalb des Wassers nicht so schnell Langeweile auf. Vor allem letzteres führte dazu, dass wir statt surf, eat, sleep die Zeit mit Frühstück, Mittagsschlaf und Kaffee/Kuchen verbrachten, um danach entweder bei unserem Lieblingsmexikaner Eddy im benachbarten Olon auf eine Portion Weltklasse-Tacos zu landen, oder Rastapan-Pizzabrote mit 3$ Mojitos in der Cocktail Alley runterzuspülen. Nachdem wir ursprünglich beschlossen hatten durch die krankheitsbedingten ersten Tage noch zwei Tage dranzuhängen, beschlossen wir in Anbetracht der dann doch irgendwie heranschleichenden Monotonie und den Empfehlungen der Locals uns schnellstmöglich in Richtung Peru aufzumachen.

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Ceviche
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Die Breakfast-Street

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Montañita hat leider so gar nicht gehalten was vorab recherchiert wurde und so kann ich den Ort wirklich absolut niemandem der seine Anfang-zwanzig-Phase hinter sich gebracht hat, empfehlen. Neben ehr durchschnittlichen Surfbedingungen findest du hier auf jeden Fall noch mehr unterdurchschnittliche Parties und Touristenbespaßung inklusive Katerleichen und Komasaufen am Strand. Wer in Montanita surfen will, sollte sich auf jeden Fall sein eigenes Equipment mitbringen, da das Angebot vor Ort ziemlich katastrophal ist und die Preise aufgrund hoher Importkosten und dem US-Dollar sehr hoch sind. Mit den lokalen Bussen kommt man relativ Stressfrei samt Surfboard in Richtung Norden bzw Süden. Im Norden findet Ihr Ayampe und den Spot Rio Chico und weiter im Süden kommt als nächstes Coito bzw Salinas mit seinen zahlreichen Points. 

  1. Pingback: Surfen in Peru — Mancora & Los Organos - Soulmush

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