Surfen in Peru — Mancora & Los Organos

Die Nacht im Fünfsterneplusbus war besser als erwartet und meine spanische Wortgewalt im Streit mit der schwarzhaarigen Hexe vor mir um die Gradzahl ihrer Rückenlehne und die Schmerzen in meinen Knien zumindest eine erwähnenswerte Erfahrung.

Der Grenzübertritt verlief schleppend, wenn auch problemlos: einmal alle aussteigen, Pass zeigen, Stempel bekommen, weitergehen, nochmal Pass zeigen, noch einen Stempel bekommen, wieder einsteigen. Diese vermeintlich einfache Prozedur, dauert nach peruanischer Geschwindigkeit bei nur einem besetzten Grenzschalter und ca. 3 abzufertigenden Bussen eine bis eineinhalb Stunden.

Angekommen in Mancora, dem ersten Schritt auf peruanischen Boden und der Hoffnung auf bessere Wellen als in Ecuador, stellen wir fest, dass wir viel zu früh dran sind. Es ist 05.00 Uhr Morgens und unsere Unterkunft ist laut Buchungsbestätigung ab 12.00 bezugsbereit. Den vertraglich vereinbarten Konditionen zum trotz, machten wir uns per Tuktuk und mit etwas mulmigem Gefühl auf den Weg durch dunkle kleine Gassen und Wellblechbehausungen ans nördliche Ende des Ortes, doch bei unserer Ankunft war der Unmut schnell verflogen: wir wurden mit einem bereits vorbereiteten Zimmer und zwei Flaschen Wasser herzlich von unserem Gastgeber empfangen. So nett der Gastgeber, so ungünstig leider die Lage der Location zum Surfspot, was dazu führte, dass wir uns umgehend nach dem Frühstück auf die Suche nach einer neuen Bleibe machten.

peru-lores-039

Tuktuks in Mancora
Überall in der Stadt warten zahlreiche Tuktuks auf Ihre Gäste
Die "Shoppingmeile" von Mancora
Die „Shoppingmeile“ von Mancora

Mancora – Der nächste Partyort auf unserem Trip?

Noch etwas vorbelastet von Montañita standen wir Mancora zunächst etwas skeptisch gegenüber. Das ebenfalls als Partyort verschriene Dörfchen war, wie sich letztlich herausstellte aber bei weitem nicht so hart auf Party gepolt wie sein ecuadorianischer Bruder und man hat durchaus die Möglichkeit den Horden an vorwiegend peruanischen Touristen und dem stetig irgendwo ballernden Reggaetontechno zu entfliehen. Auch hier ist das Ortsbild zwar durchaus geprägt von Hostels, Souvenirläden, Burgerbuden sowie Happy-Hour-Bars mit entsprechendem Backpacker-Publikum, aber insgesamt versprüht der Ort die meiste Zeit einen etwas geordneteren und weniger lauten Vibe. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel und so kann es durchaus mal vorkommen das am Strand Schüsse fallen, wenn die örtliche Polizei etwas übereifrig peruanische Grasdealer verfolgt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Strandverkäufer mit Mangos in Mancora

Strand in Mancora
Einer der Strandabschnitte in Mancora

peru-lores-031

peru-lores-030

 

Surfen in Mancora — „La Punta“

Der Strand von Mancora ist zwar relativ geräumig, surfbar ist allerdings nur der Pointbreak am linken Ende vom Strand (Sicht aufs Meer). Die recht entspannte linke Welle bricht auf einem Steingrund und ist im Grunde bei jeder Tide surfbar, wird aber zum Teil sehr Flach bei Lowtide und diese Erkenntnis kostete mich in einer der ersten Sessions (mal wieder) meine linke Finne. Die meiste Zeit geht es recht entspannt zu im Lineup, wobei viele Peruaner und vor allem die Surflehrer auf ungeschriebene Vorfahrtsregeln grundsätzlich nichts geben und vorsätzlich in jede Welle droppen. Tagsüber und vorwiegend bei kleineren Wellen, hat man das Glück die paar Wellen noch mit einen Haufen Strandurlauber im Wasser teilen zu müssen, die auch gerne mal leicht angetrunken Ihren ersten Surferfahrungen machen wollen. Am meisten Spaß macht die Welle ab etwa 4ft, denn da dünnt sich die Anzahl der Leute im Wasser merklich und man hat Teils sehr lange, wie am Schnürchen gezogene Wellen von 100-150m Länge. Ein paar Laufminuten weiter nördlich gibt es noch den Point Punta Ballenas, welcher während unseres Aufenthaltes nie lief und angeblich eine relativ schnelle, teils barrelnde Linkswelle produziert die über flachem Riff bricht und offensichtlich einiges an Swell benötigt um zu funktionieren. Obwohl es hier angeblich immer läuft, ist die Surf-Hauptsaison zwischen Juni und September — Hier treffen die Swells aus dem Südpazifik auf Peru und dann feuert es auch für anspruchsvollere Surfer ordentlich. Anfänger und Intermediates werden aber durchaus in der Nebensaison glücklich und können dem kalten Winter in Deutschland entfliehen. Mancora gilt in Peru noch als einer der Warmwasserspots und es war durchaus in Boardshort und Lycra surfbar, aber vor allem morgens war es im 3/2er Neo doch angenehmer. 

peru-lores-022

Surfschulen, Surfshops & Rentals in Mancora

Direkt am Point gibt es zwei Rentals als auch eine „Surfschule“, wobei man diese nicht wirklich als solche bezeichnen kann und ich jedem dringend von dieser „Touristenbelustigung“ abrate, der ernsthaft vor hat, surfen zu lernen. Die „Lehrer“ paddeln gemeinsam mit den Schülern auf Longboards samt Flossen ins Lineup, um dann mit dem Schüler gemeinsam die Wellen meist auf dem Bauch liegend herunterzurutschen. Das ganze ohne jedwede Vermittlung von surfrelevanter Methodik, noch unter Rücksicht auf andere Mitsurfer. Wer hier surfen lernen will, sollte sich unbedingt nach einem Privatlehrer umsehen und die Schule am Strand tunlichst meiden.

Eine der beiden Surfschulen/Rentals in Mancora

Surfboard Rental kostet je nach Verhandlungsgeschick 5 Soles pro Session oder ab 15 Soles pro Tag. Es gibt vorwiegend Fun- und Longboards als auch ein paar Shortboards in mittelmäßigem, aber durchaus surfbaren Zustand.

Im Ort gibt es einen Surfshop, welcher Shaper Walter beheimatet, der dort die Pupukea Surfboards baut. Neue Bretter gibt es hier ab etwa 400$. Walter steht einem auch in Reparaturfragen zu Seite und hat sowohl meins als auch Ninas Brett fachmännisch geflickt.

Pupukea Surfboards vom local Shaper Walter
peru-lores-010
In der Werkstatt von Pupukea Surfboards

Wohnen in Mancora

Mancora bietet einen Haufen wahlweise günstige, einfache und oder laute Hostels mit entsprechendem Publikum. Darüber hinaus gibt es Ortsauswärts auch eine Handvoll ziemlich schicker Boutique-Hotels. Da weder das eine, noch das andere für uns in Frage kam, galt es erstmal wieder die Nadel im Heuhaufen zu finden: Halbwegs ruhig, bezahlbar und wenn möglich mit Ventilator – denn leider kühlt es sich hier trotz Meeresbrise Nachts nicht merklich ab.

Nach einschlägigem Preis/Lagevergleich der Unterkünfte am Ort, entschieden wir uns die restliche Zeit in Mancora im „Casa Turista“ zu verbringen. Weniger der Name, als viel mehr die überaus sauberen und geräumigen Zimmer, als auch die riesen Dachterasse und der unschlagbare Preis von nur 60 Soles pro Nacht, sollen dieses Gästehaus zu unserem Home-out-of-Home für die nächsten 6 Tage werden lassen.

Das blau-weiße Haus mit Meerblick liegt zweiter Reihe direkt vorm Point „Punta de Mancora“ so dass man, wenn man will innerhalb einer Minute im Wasser ist. Ein Glücksgriff wie sich herausstellte.

Aussicht von unserer Dachterasse des "Casa Turista"
Aussicht von unserer Dachterasse des „Casa Turista“
Casa Turista Mancora
Unsere Strandnahe Behausung: Das Casa Turista

Essen in Mancora — Burger, Fritten oder Restaurant Turista?

Auf den ersten Blick steht Mancora den anderen Touristennestern in nichts nach. Die Strandpromenade ist gesäumt von Bars mit mieser Musik und offensichtlichen Tourifallen die lautstark auf der Straße um Kunden werben. Neben diesen zahlreichen ehr zu vermeidenden Erfahrungen bietet Mancora allerdings auch noch ein paar versteckte Perlen und kulinarische Highlights. Entsprechend der Lage sollte man in Mancora auf jeden Fall frischen Fisch essen, ob als Nationalgericht in Form von Ceviche oder im ganzen fangfrisch vom BBQ. Die kulinarische Auswahl ist so vielfältig wie das Publikum und so gibt es neben den Fastfoodklassikern Pizza und Burger, Streetfood auch einige vegetarische sowie exklusivere Restaurants bei dennoch durchweg moderaten Preisen.

Fangfrischer Fisch an einem der zahlreichen Streetfood Stände in Mancora
Fangfrischer Fisch an einem der zahlreichen Streetfood Stände
Fresh Fruits all day long
peru-lores-033
Unser absoluter Essensfavorit: Das TAO

Los Organos

Das ca. 13km entfernte Los Organos ist wesentlich kleiner als Mancora und bietet neben ein paar Läden nur das nötigste an Infrastruktur. Für alle die, die eher Ruhe suchen, bietet Los Organos eine Handvoll Unterkünfte direkt am Strand. Wir sind für eine Nacht für 80 Soles in einer der Buden direkt am Strand untergekommen, was wir persönlich als zu teuer empfanden, aber dennoch eine ganz nette Atmosphäre bot und da wir nur eine Nacht bleiben wollten war es uns letztlich auch egal.

peru-lores-054

peru-lores-053

peru-lores-049

Surf in Los Organos — Punta Los Organos und Organitos

Organitos – Beachbreak Surfspot in Los Organos
Organitos — Beachbreak in Los Organos

Der Point von Los Organos ist ein barrelnder relativ schneller linker Reefbreak (nicht im Bild) mit sehr steilem Drop und kurzem Surf. Neben der Localcrew im Wasser machen die Felsen das ganze zu einer Welle für erfahrene Surfer. Der Takeoff sollte hier ohne Frage sitzen, denn sonst sitzt man unweigerlich auf den Felsen. Den Point kann man vom Strand aus nicht sehen und man muss zunächst über die Felsen am Fuße der Klippen herum klettern oder hinten rum, idealerweise mit dem Auto, an den kleinen Strand fahren. Organitos ist der kleiner Bruder vom Point und im Prinzip der von den Klippen brechende Beachbreak mit unterschiedlichen Sandbänken, welche idealerweise bei Mid-Hitghide laufen. Wir fanden Los Organos unter anderem wegen dem mittelprächtigen Surf eher so lala und haben unsere Reise nach einer Nacht in Richtung Lobitos fortgesetzt.

Fazit

Die Woche in Mancora war auf jeden Fall sehr entspannt und auch surftechnisch nach dem Reinfall in Ecuador durchaus als gut zu bezeichnen, auch wenn es zum Teil recht klein war. Ausreichend Infrastruktur ohne zuviel Touri-Rummel, sehr gute Restaurants und ein ganz passabler Pointbreak machen Mancora auf jeden Fall zu einem super Ausgangspunkt für einen Peru-Surftrip. Los Organos kann man auf dem Weg in den Süden durchaus mal ansteuern, sofern der Surf dort passabel ist hat man in dem kleinen Nest auf jeden Fall noch weniger Menschen um sich als im ca 15km entfernten Mancora. Von dem Pointbreak haben auf unserem Trip auf jeden Fall einige geschwärmt, sofern er denn läuft.

Surfen in Peru — Mancora & Los Organos
Bewerte diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folg' uns bei Facebook!schliessen
oeffnen