Surftrip durch Peru – No pasa nada en Pacasmayo

Unsere vorletzte Station auf unserem Surftrip durch Peru, führt uns nach Pacasmayo. Seit dem ich von den Wellen Perus das erste mal gelesen habe, war klar dass ich mir das irgendwann selbst mal ansehen muss. Endlos lange Rides bis zu zwei Kilometer Länge und Surfzeit von über 2 Minuten sind möglich. Wellen bei denen einem irgendwann die Beine brennen und einen eher die Kraft verlässt, als das die Welle endet. Pacasmayo ist ein kleiner Küstenort in der nördlichen Piura-Provinz von Peru und so sagt man, gibt es hier die längsten Wellen der Welt – noch länger als am benachbarten Break Chicama.

Zunächst sind wir etwas perplex, als uns der Busfahrer nach 6 Stunden Fahrt vom nördlichen Talara, irgendwo an einer Hauptstraße an einem Zementwerk mit all unserem Stuff rauswirft und weit und breit weder Ortskern noch Meer in Sicht sind. Uns wird recht schnell klar, der gute hat es offensichtlich ein bisschen verpeilt und uns einfach ein paar Kilometer zu spät ausgesetzt.

Nun sitzen wir also in der Abenddämmerung an irgend einer Landstraße in Peru und überlegen wie wir es noch vor Anbruch der Dunkelheit ins Zentrum von Pacasmayo schaffen. Unsere Versuche eines der Tuktuks oder vorbeifahrenden Autos anzuhalten scheitern kläglich. Von Bussen keine Spur. Verdammt. Ich versuche es gegenüber in einer kleinen Bodega und schildere dem Besitzer in meinem besten spanisch unsere Lage – und nach ein bisschen hin und her, erklärt sich der Amigo bereit, uns für ein paar Soles nach Pacasmayo zu fahren. Unsere Boardbags schnüren wir kurzerhand und fachmännisch mit ein paar Bindfäden auf’s Dach des zerbeulten Kleinwagens, das Kitebag wird vorne auf dem Beifahrersitz verstaut und wir quetschen uns mit noch mit zwei anderen Mitfahrerinnen hinten auf die Rückbank.

Angekommen im Ortskern steuern wir zunächst unser gebuchtes Hostel „Los Faroles“ an, welches uns unser Gastgeber in Lobitos empfohlen hat. Das Hostel macht einen ganz netten ersten Eindruck, hat einen großen Garten, mit Hängematten, Grill und Chillbereich – und zu Gast sind offensichtlich ausschließlich andere Surfer. Das Einchecken verläuft aber leider nicht ganz so einfach, da unser Zimmer trotz vorheriger Reservierung irgendwie belegt ist. Also erstmal abwarten, hinsetzen und nach der anstrengenden Fahrt ein großes kaltes Cusqueña trinken. Nina hat die Zeit sinnvoller genutzt und derweil im gegenüberliegenden El Mirador Hotel, welches eigentlich etwas außerhalb unseres Budgets lag, einen unschlagbar guten Deal für das Penthouse im Obergeschoss klargemacht. Zwei Balkone, Wohn- und Schlafzimmer auf zwei Ebenen, Dachterasse und Meerblick – Jackpot! Das ist die beste Hütte die wir auf unserem gesamten Surftrip durch Peru bewohnen dürfen.

Blick von unserer Dachterasse vom El Mirador

Surf Check eins zwo

Nachdem das Wichtigste geregelt war, mussten natürlich direkt alle anderen wichtigen Themen geklärt werden: Wie ist der Surf und wie geht’s dahin? Der Blick vom Balkon war schon mehr als vielversprechend, wenn auch in der Abenddämmerung nicht mehr viel zu erkennen war. In die Bucht schälten sich gemächliche, aber konstant lange Linien. Der eigentliche „Point“ liegt außer Sichtweite etwa 2-3km entfernt und ist nur per TukTuk zu erreichen erklärt mir der Münchener, den ich beim Bier im Faroles nebenan kennengelernt habe – bis zu eine Minute surfen sei drin, aber die Strömung sei heftig und klein wäre es gerade auch nicht wirklich. Alle relevanten Informationen werden zusammengetragen, ein paar Bier getrunken, der Ort erkundet und eine fehlende Finne musste auch noch organisiert werden – netterweise kann mir der Kollege aus Bayern hier aushelfen.

Am nächsten Morgen geht es ausgeschlafen in aller Früh per TukTuk zum Point. Zwei weitere Tuktuks stehen bereits am Fuße des Leuchtturms und ein paar Gestalten schälen sich in Ihre Neos. Die anderen erklären mir was Sache ist und wir springen ins Wasser. 10 Minuten später sitze ich wieder angespült auf trockenem Riff – die Wellen sind amtlich doch die Strömung ist pervers. Man hat das Gefühl in einem Fluß zu sitzen und muss entweder die Sets so perfekt abpassen dass man es zwischendurch schafft, oder einfach wesentlich höher einsteigen um noch vor dem Main-Peak hinter die Wellen zu gelangen.

Surfen Peru Pacasmayo
Surftaxi in Pacasmayo

Der Nächste Versuch gelingt mir und nach dem eher entspannten Mancora sowie der Flaute in Lobitos erlebe ich das erste mal ein paar richtig respektable Wellen in Peru. Im Wasser sind neben mir noch eine Handvoll Brasilianer und das Surflevel ist entsprechend hoch. Noch etwas wacklig auf den Beinen gelingt es mir dennoch ein paar kleinere Wellen zu surfen, die schon zu den längsten meines Lebens gehören sollten.

Zwei Kilometer lange Wellen erleben wir hier (zum Glück) nicht, denn im Februar ist hier nämlich Sommer und der Kollege aus München hat am Vorabend auch ein bisschen übertrieben wie sich herausstellte. Für endlos lange Wellen benötigt es kräftige Stürme im Südpazifik, welche große Südswells über das Meer schicken, die dann an den Pointbreaks von Peru für eben diesen endlosen Wellen sorgen. Aber auch was wir hier vorfinden, ist eigentlich perfekt – respektabel und herausfordernd genug um die nächsten Wochen das Surflevel zu verbessern, aber auf jeden Fall machbar ohne täglich mit der eigenen Angst zu kämpfen.

Pacasmayo? Tranquiiilo Hombre!

Dafür, dass Pacasmayo über seine Grenzen hinaus unter Surfern bekannt ist, kann man die Surfinfrastruktur hier durchaus als überschaubar bezeichnen. Surfshops oder gar Surfcamps oder Schulen wie wir sie kennen gibt es zum Glück gar keine. Ein „Surfshop“, bzw. DER Surfshop der Stadt ist eigentlich ein Souvenir- bzw. T-Shirtshop und dessen Betreiber ist ein bekannter alter Hase der Surfszene von Pacasmayo. Im Hinterzimmer betreibt er eine kleine Werkstatt hat, wo er Boards repariert. Hin und wieder hat er auch das ein oder andere Brett zu veräußern. Ansonsten ist Pacasmayo eine ganz normale peruanische Kleinstadt, die vom Tourismus weitestgehend verschont bleibt. Außer für Peruaner die es hier am Wochenende an’s Meer zieht, sieht man hier sonst so gut wie keine Touristen, denn außer den Wellen gibt es hier auch nicht viel zu sehen.

Auch hier ist man Freund ruhrpott’scher Fußballkultur


Morgens ab 05.00 ist Fischmarkt, hier kaufen wir frischen Fisch für Ceviche oder Barbecue im Hof unseres Hotels. Tagsüber spielt sich das Leben am Pier und in der gegenüber liegenden Bar ab. Abendliche Unterhaltung ist ebenso rar gesäht – am Wochenende zieht es uns hin und wieder in die örtliche Taverne, wo bis in die Morgenstunden zu Reggaeton-Sound gefeiert wird.

Wir fühlen uns hier irgendwann so sehr zu Hause und im alltäglichen Leben angekommen, so dass aus eigentlich geplanten zwei Wochen, am Ende doch drei werden. Ich gehe meistens am Point surfen oder in den Abendstunden noch für eine schnelle Session am Ortsstrand neben dem Pier. Hier solltet Ihr Euch von den Fischernetzen fern halten – dort hängen ganz gerne die Stachelrochen rum wie ich eines Tages schmerzlich erfahren durfte. An den paar flachen Tagen fahren wir mit unserem Hostel-Surf-Guide-für-alles Louis nach Puemape, einem winzigen Fischerörtchen, welches mehr Süd-Westswell abbekommt und sofern Pacasmayo flach ist, immer noch surfbare Wellen hat. Nach guten drei Wochen kündigt sich endlich passender Swell für Chicama an und so wird es Zeit für uns unsere Zelte hier abzubrechen und zu unserer letzten Station mit der weltberühmten Welle aufzubrechen.

Good to know in Pacasmayo

So kommst du nach Pacasmayo

Von Lima ist Trujillo deine nächste Station. Von dort geht’s per Local Bus oder Taxi weiter. Von Norden kommst du in guten 4 Stunden von Piura im Local Bus nach Pacasmayo. Nach Puerto Malabrigo (Chicama) geht’s auch easy per Bus in gut einer Stunde.

Wohnen in Pacasmayo

Wir können das Hotel El Mirador uneingeschränkt empfehlen. Los Faroles nebenan ist aber auch ganz nett.

Surfen in Pacasmayo

El Faro

Reef-Pointbreak der grundsätzlich je nach Swell zwischen auflaufend low und mid gut funktioniert. Einstieg ist je nach Swell mindestens 100m südlich, also links gesehen vom Break. Grundsätzlich starke Strömung – mit zunehmendem Swell entsprechend stärker. In Position bleiben erfordert viel Paddelarbeit, wird aber mit sauberen langen linken Wellen belohnt. Hier gelangt Ihr per Tuktuk-shuttle hin. Vorsicht vor den Steinen im Wasser. Lasst Euch nicht mehr als 5 Soles je Weg abknöpfen! Bei LowTide kann man auch am Strand entlanglaufen – dauert etwa 15-20 Minuten. Weitere Infos zum Point gibt’s bei Magicseaweed

Playa

Am Hauptstrand von Pacasmayo laufen kleinere entspannte Longboard-Wellen rein die auch für Anfänger perfekt zum üben sind. Auch hier ist die Strömung aber noch relativ stark, so dass es Euch zwangsläufig immer in Richtung Pier zieht. Einstieg daher am besten 200-300m links vom Pier. Bei Bodenkontakt ist vorsicht geboten, lauft langsam und „schlurfend“ ins Wasser – es gibt hier Stachelrochen.

Surfstuff & Rentals

Surf Repair in Pacasmayo

In Pacasmayo gibt es so gut wie nichts an Surfstuff. Man sollte also das wichtigste immer dabei haben und idealerweise Ersatz für die Dinge die man gerne verliert oder kaputtgehen — Finnen, Finnenschlüssel, genug Wachs etc. Das Hostel „Los Faroles“ hat ein paar rental Boards im Angebot – sowohl Short- Fun als auch ein bis zwei Longboards. Der BALIN Surfshop ist auch Euer Ansprechpartner für SurfboardReperaturen.

Good to know

Ceviche Mixto und ein großes Cusqueña – beste!
Brownie-Cake im Cafe 49 – megayum!

Wie bereits gesagt, in Pacasmayo geht nicht viel. Essen gehen wir meistens im Cafe Cafe, oder falls es dort mal zu voll ist, gibt es nebenan im Puerto Escondido auch passables Ceviche. Peruaner stehen offensichtlich auf Kuchen, so gibt es an jeder Straßenecke Verkäufer die aus Ihren Vitrinen allerlei Kuchen und Torten verkaufen. Den besten Kuchen der Stadt und auch einen vernünftigen Kaffee (den man sonst vergebens sucht) gibt’s im Cafe49.

Fazit

Für mich ist Pacasmayo einer der besten Surforte der Welt. Kaum in einem anderen Ort habe ich mich bisher so wohl gefühlt. Das ganze Jahr über perfekte Wellen, leere Lineups und so gut wie kein Tourismus. Falls einem nach ein paar Wochen hier die Decke auf den Kopf fällt, findet man in nur einer Stunde Entfernung in Puerto Malabrigo die nächste weltklasse-Welle Chicama. Ein Surftrip in Peru ist auf jeden Fall Pflichtprogramm nicht nur für Goofy-Footer 😉

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