Rash, Balibelly und Co – Die häufigsten Reisekrankheiten und was man dagegen tun kann

Kaum ist man am Traumziel angekommen, erwischt es einen: Ob Schnupfen, Übelkeit oder Magenprobleme. Unser Körper reagiert häufig Reise- und stressbedingt nicht so wie er sollte und ist dementsprechend häufig empfindlicher gegenüber neuen Viren und Bakterien. Dies führt häufig dazu, dass wir uns gerade am Anfang des Urlaubs irgendeine der typischen Reisekrankheiten einfangen. Surfer und andere Wassersportler haben zudem noch mit zahlreichen weiteren Gefahren und potenziellen Risiken zu kämpfen. Wir geben Euch einen Überblick über die häufigsten Reisekrankheiten und Probleme und teilen unsere persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen zu deren erfolgreichen Bekämpfung. 

Disclaimer: Dieser Artikel spiegelt eine persönliche Meinung und Erfahrung wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Im Zweifelsfall konsultiert immer zuerst einen Arzt oder Apotheker.

erkältungSchnupfen & Nasennebenhöhlenentzündung

Vor allem in heißen Ländern nicht selten, ein durch Klimaanlagen verursachter Schnupfen bzw. daraus resultierend eine Nasennebenhöhlenentzündung kann sich über Wochen hinziehen und nervt letztlich einfach ungemein wenn man bei 30°C und Sonne verschnupft durch die Gegend läuft.

Vorbeugen: Vor allem öffentliche Verkehrsmittel in heißen Regionen sind häufig so stark klimatisiert, dass man sich fühlt wie in einem Kühlschrank. Längere Kleidung, ein Schal, Strandtuch oder eine kleine Decke auf langen Reisen immer Griffbereit im Handgepäck dabei haben, hilft.

Was tun wenn: Hat es einen erwischt kann täglich ein paar Tropfen 3%-ige Wasserstoffperoxidlösung, welche in den meisten Apotheken der Welt zu bekommen ist, in die Nase träufeln und der Spuk hat bald ein Ende. Wer kein Wasserstoffperoxid in seiner Reiseapotheke hat, hilft sich mit regelmäßigen Salzwasserspülungen: einfach einen Teelöffel Salz in 200ml Wasser lösen und damit mehrfach täglich die Nase spülen.

sickMagenprobleme

Balibelly, Montezumas Rache oder flotter Otto — welch niedlichen Namen man dem ganzen auch gibt, es ist und bleibt eine der häufigsten, aber vor allem auch unangenehmsten Reisekrankheiten. Treffen tropische und für uns ungewohnte Temperaturen auf Bakterien denen wir sonst nicht ausgesetzt sind, passiert es schnell dass man sich für meist mindestens einen, im schlimmsten Fall mehrere Tage nur noch in Toilettennähe aufhalten kann. Meistens verläuft die Sache harmlos und nach ein oder zwei Tagen Bettruhe ist der Spuk vorbei.

Vorbeugen: Am meisten treten Magen-Darm Probleme wohl in Verbindung mit Nahrung auf. daher gilt hier die alte Regel „Peel it, Cook it or forget it“. Meiner Erfahrung nach ist z.B. Streetfood weit weniger problematisch als die Hygiene in manchen Restaurants und ich hatte dahingehend noch NIE irgendwelche Probleme. Wer dazu noch regelmäßig die Hände wäscht und/oder ein antiseptisches Handgel dabei hat und sich mit abgefülltem Wasser versorgt sollte einigermaßen auf der sicheren Seite sein.

Problematisch wird es wenn man an Surfspots surft, in denen Abwässer ins Meer geleitet werden, oder einfach durch Regen das Wasser verschmutzen wie es z.B. in afrikanischen oder Indonesischen zum Teil der Fall ist. Hier hilft leider nur entweder gar nicht in kontaminiertem Wasser surfen oder zumindest versuchen die Wasseraufnahme so gut es geht zu begrenzen,

Was tun wenn: In der Regel vergeht eine Magenverstimmung von selbst! Gönnt Euch ein bisschen Ruhe und vermeidet säurehaltige Lebensmittel (Cola!) und vor allem Alkohol. Auch säurehaltiges Obst sollte erstmal größtenteils vermieden werden. Der Körper sorgt mehr oder weniger selber dafür die Bakterien durch Durchfall und erbrechen aus dem Körper zu befördern. Mittel die dies verhindern wie z.B. Immodium sollten, sofern man nicht gerade eine längere Busfahrt vor sich hat, vermieden werden. Als natürliche Helfer kann ich Kräutertees, Papaya und Kokoswasser empfehlen. Aber auch hier lohnt es sich mal in der lokalen Apotheke nachzufragen. Deutsche Medikamente wirken oftmals nur bei unseren heimischen Viren und Bakterien.

seekrankReisekrankheit & Seekrankheit 

Ob auf hoher See oder im Auto oder Reisebuss: Klassische Reisekrankheit, welche sich in erster Linie durch Übelkeit bemerkbar macht, kann einen immer erwischen. Wenn die Sinneseindrücke mit der sensorischen Wahrnehmung kollidieren, kommt es zum mismatch im Körper und dies führt zu Symptomen wie Müdigkeit, Herzrasen und Übelkeit. Schuld daran ist unter anderem das vom Körper ausgeschüttete Stresshormon Histamin.

Vorbeugen: Wer empfindlich auf Reisen reagiert sollte im Auto oder Bus möglichst vorne sitzen und versuchen sich möglichst zu entspannen und den Blick auf die Straße zu richten. Auf Schiffen ist es sinnvoll an Deck zu bleiben und bei starken Seegang mittig auf dem Deck zu stehen und den Horizont im Blick zu behalten, damit sich unsere Sinneseindrücke mit dem sensorischen Empfinden abgleichen können. Lesen oder am Computer arbeiten sollte hingegen vermieden werden. Vitamin C in hohen Dosen soll angeblich den Histaminspiegel senken und damit prophylaktisch wirken. Bei wem das alles nichts hilft der kann mit Reisetabletten aus der Apotheke vorbeugen. Gegen bereits eingetretene Übelkeit hilft z.B. Vomex.

rashSurf-Rash & andere Schürfwunden

Wer kennt es nicht? Man ist seit langer Zeit endlich mal wieder im Wasser, die Wellen sind super und am Ende des Tages sieht der Bauch oder die Brust aus wie frisch gerupft. Die wohl nervigste Sache seit es Surfen gibt. Rash sind Hautirritationen oder gar Schürfwunden, die vorwiegend durch die Reibung zwischen Haut, Surfbrett und Wachs entstehen. Rash tritt meistens auf, wenn man ohne Neoprenanzug, nur im Bikini oder T-Shirt surft. Vorbeugen kann man mit einem Rashguard aka Lycra-Shirt, oder schlichtweg durch mehr surfen — häufig beanspruchte Haut merkt sich dies und bildet entsprechend strapazierfähigere Hautschichten. Jetzt hat es uns aber erwischt und wir wollen trotzdem surfen? Wenn es „nur“  Hautirritationen sind kann man es mit einer dünnen Schicht Vaseline versuchen. Handelt es sich schon um offene Schürfwunden, ist zunächst zu empfehlen diese verheilen zu lassen, da weiterer Salzwasserkontakt sowohl Infektionen als auch die Vergrößerung der Wunde begünstigt. Wer trotzdem unbedingt ins Wasser muss, sollte die betroffenen Stellen Idealerweise großzügig mit Bepanthen behandeln und wasserdicht verpacken. Hierbei kann großzügig Frischhaltefolie sowie Panzertape zur Hilfe genommen werden. Nach dem Surf unbedingt Desinfizieren und frisch verbinden!

sunburnSonnenbrand

Ebenfalls ein Klassiker unter den Urlaubswehwehchen. Leider wird die Sonne sehr häufig unterschätzt und ein fieser Sonnenbrand tritt gerade beim Surfen durch die Reflexion der Sonne über die Wasseroberfläche schneller auf als einem lieb ist. Grundsätzlich sollte man sich natürlich entsprechend bevor man ins Wasser geht eincremen und Idealerweise auch noch eine Portion Zink ins Gesicht schmieren. Das ganze mindestens 15 Minuten bevor man ins Wasser geht! Was tun wenn man nachher trotzdem aussieht wie eine Tomate und alles wehtut? Kühlung ist grundsätzlich nicht verkehrt, aber übertreiben sollte man es nicht — statt Kühlakkus lieber in Wasser getränkte Leinentücher. Aloevera oder gekühlter Quark oder Joghurt auf die betroffenen Stellen hilft ebenfalls. Falls Ihr grünen Tee zur Hand habt, könnt Ihr auch in Tee getränkte Auflagen zur Linderung auftragen.

urchinSeeigel

Ein tritt auf den Grund, verbunden mit stechenden Schmerzen ist häufig ein Fall von Seeigel. Unmittelbar nach dem Kontakt mit Seeigeln solltest du vorsichtig versuchen alle greifbaren Stacheln mit einer Pinzette herauszuziehen. Ein weiterer Trick ist es, ein Stück Panzertape auf die entsprechenden Stellen zu kleben und wieder abzuziehen, häufig bleiben die Stachelenden daran hängen und lassen sich so entfernen. Schwer erreichbare Stacheln kann mit einer Rasierklinge (z.B. aus einem Einwegrasierer) und/oder Nadel vorsichtig zu Leibe gerückt werden. Achte grundsätzlich auf Sauberkeit der entsprechenden Hilfsmittel (Mit Ethanol oder Feuer sterilisieren). Du kannst den betroffenen Körperteil vorher in möglichst heißes Essig-Wasser halten. Da Seeigelstacheln aus Kalk bestehen und Essig kalklösend wirkt werden die Stacheln sich auf Dauer auflösen. Kein Essig zur Hand? Frische Zitronensäure hilft ebenfalls. Am besten mehrfach auf die Einstichstellen geben. Lockere Bandagen mit Essig oder Zitronensäure über Nacht können auch hilfreich sein. Versucht möglichst alle(!) Stacheln zu entfernen da sich die Einstichstellen sonst mit ziemlicher Sicherheit entzünden werden und die Sache auf Dauer nur schmerzhafter wird.

Trachinus draco
Trachinus draco

Petermännchen

Wer schonmal voller Freude ins Meer gerannt ist und ebenso zügig mit schmerzverzerrtem Gesicht den Weg zurück angetreten ist, weiß wovon die Rede ist. Petermännchen sind mittelgroße Fische die sich gerne am Meeresboden aufhalten und an Ihrer Rückenflosse unangenehme und giftige Stacheln tragen. Rennt der Surfer nun zu hastig ins Meer, kann es sein dass sich das Petermännchen vor Schreck eingräbt und der Surfer auf dieses tritt. Der Stich kann sehr schmerzhaft sein und die Schmerzen können auch noch Tage lang anhalten. Da das Gift vom Petermännchen überwiegend aus hitzeempfindlichem Eiweiß besteht, kann man diesem mit einem Hitze-Schock entgegenwirken. Ob mit Feuerzeug, einer brennenden Zigarette, Fön oder heißem Wasser, verbrennt Euch nicht und kühlt danach die Wunde mit Eis.

jellyfishQuallen & Polypen

Da dieses Thema ein doch recht komplexes und Quallen und deren Gift doch recht vielfältig sind, können wir hier lediglich ein paar allgemeingültige Empfehlungen geben und Euch raten sich vor Ort zu den vorkommenden Quallen und Nesseltieren und deren Behandlung im Ernstfall zu informieren! Wohingehend die in unseren Breiten zu findenden Nesseltiere meist eher harmloser Natur sind (Portugiesische Galeere mal ausgenommen) gibt es durchaus ernst zunehmende Gattungen wie zum Beispiel die in Australien vorkommenden Bluebottles oder eben auch die schon genannten portugiesischen Galeeren. Wobei man zur Richtigkeit sagen muss, dass die Portugiesische Galeere udn darunter auch die Bluebootles zwar in Farbe und Form stark einer Qualle ähnelt, in Wirklichkeit  jedoch aus einer ganzen Kolonie voneinander unabhängiger Polypen besteht und somit nicht zur Gattung der Quallen gehört. An manchen Orten stellen Quallen eine so große Bedrohung dar, dass ganze Strände geschlossen werden. Das Risiko ist also durchaus ernst zunehmen und man sollte sich dahingehend im Vorfeld über etwaig vorkommende Quallen und das spezifische Verhalten bei Kontakt informieren.

Wurdet Ihr oder ein Freund von einer Qualle gestochen solltet Ihr in jedem Fall erstmal Ruhig bleiben! Grundsätzlich sei gesagt: Kein Süßwasser, kein Alkohol, kein Essig, solange Ihr nicht Eindeutig wisst, um welche Art Qualle es sich handelt! Meerwasser ist unseres Wissenstands bei allen Quallen OK, aber passt auf dass Ihr Euch nicht selber beim Helfen an den Nesseln verbrennt.

shutterstock_360272612Stachelrochen

Klingt fies, ist er auch. Nicht erst seitdem unser Held aus Kindheitstagen Crocodile Hunter durch einen Stich ins Herz durch einen Stachelrochen getötet worden ist, ist uns dieser Knorpelfisch bekannt. Mich hat’s in Peru erwischt und ich kann Euch sagen: gar nicht angenehm, aber ich lebe noch! Normalerweise leben die stacheligen Knorpelfische in Küstennähe in tropischen sowie subtropischen Meerwasser, was den Kontakt mit Wassersportlern leider begünstigt. Ein Stachelrochen nutzt seinen Stachel zur Selbstverteidigung, sofern man mit ihm in Berührung kommt und dabei wird sein Gift beim Stich freigesetzt. Meistens verläuft der Kontakt mit Stachelrochen zwar sehr schmerzhaft, aber nicht tödlich. Todesfälle sind in den meisten Fällen durch eine Verletzung der inneren Organe durch den Stich herbeigeführt und nicht durch das Gift. Wichtig zu wissen ist, das bei einem Stich beispielsweise in den Fuß, nach der Grundreinigung der Wunde, heißes und nicht kaltes Wasser hilft den Schmerz zu lindern (30-90min bei ca. 45Grad). Auch kommt es leider häufig zu Nebenwirkungen durch das Gift wie Muskelkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Schwellungen im Gesicht, sowie Atembeschwerden und Kopf- und Gliederschmerzen. Falls Ihr die Möglichkeit habt einen Arzt in Strandnähe aufzusuchen, tut dies — die sind in der Regel auf Stachelrochenstiche vorbereitet und können Euch ein Anästhesetikum spritzen, welches die Schmerzen erträglicher werden lässt. Tipp: Wie beim Petermännchen hilft es, langsam und schlurfender Weise ins Wasser zu schreiten. Die Rochen registrieren die Vibrationen und haben genug Zeit zu fliegen.

Fotos: Titel Unsplash/Jon Butterworth1. Shutterstock, 2. Duncan Hull (CC BY 2.0), 3. floheinstein (CC BY 2.0), 4. ctrlw (CC BY 2.0), 5. Ratha Grimes (CC BY 2.0),  6. Hans Hillewaert, (CC-BY-SA 4.0), Doug Letterman (CC BY 2.0), Shutterstock

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