Kitesurfen Guide- Lernen Anfänger

Kitesurfen – Wie, Wo, Was? Der komplette Guide für Anfänger

Kitesurfen in Theorie und Geschichte – eine kurze Einführung

Beim Kitesurfen handelt es sich um eine vergleichsweise junge Sportart, die in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden hat. Der Sport begeistert dabei durch einen enormen Spaßfaktor, spektakuläre Sprünge und eine einzigartige Naturverbundenheit durch das Zusammenspiel von Wasser und Wind.
Die ersten Überlegungen und Versuche, mit einem Lenkdrachen und einem Surfbrett über das Wasser zu gleiten gab es bereits in den 1980er-Jahren auf Hawaii. In die Öffentlichkeit trat der Sport aber erst ab der Mitte der 90er-Jahre, als die ersten Wettbewerbe ausgetragen wurden und die ersten Surfschulen anfingen, auch das Kitesurfen zu lehren. Seitdem hat sich viel getan – die Kites, die Boards und vor allem die Sicherheitssysteme haben sich in den darauffolgenden Jahren immer weiter entwickelt, sodass der Sport heute einer breiten Masse zugänglich ist und so ziemlich jeder mit dieser faszinierenden Sportart beginnen kann.

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Die Ausrüstung – das benötigst du zum Kitesurfen

Kitesurfen Ausrüstung
Flachwasser Revier an der Ilha do Guajiru, Brasilien

Zugegeben, Kitesurfen wird nicht zu unrecht auch gerne als “Materialschlacht” bezeichnet. Anders als beim Wellenreiten oder Stand-up-Paddlen, hat man hier nicht nur im Idealfall sein Board und eine Badehose zu tragen, sondern es kommt schon insgesamst eine Menge an Ausrüstung zusammen die man zum Kitesurfen mitschleppt:

  • Kites – die Schirme. In der Regel 2-3
  • Eine Bar – die Lenkstange
  • Dein Board
  • Trapez
  • Neoprenanzug
  • Diverses Zubehör

Das ganze Idealerweise in einem ziehbaren Rollbag verpackt, wiegt gut und gerne etwa 15-20kg. Daher ist Kitesurfen und vor allem Reisen mit Kitesurf-Equipment immer etwas planungsintensiver als zB. Wellenreiten.

Kites – die verschiedenen Größen und Arten der Schirme

Kitesurfen Anfänger Ausrüstung

Der Kite ist der Lenkdrachen, der – vom Wind angeströmt – vom Kitesurfer geflogen und gesteuert werden kann. Die Kites gibt es in verschiedenen Größen (ca. 5-20qm). Die Kitegröße variiert je nach persönlichem Körpergewicht und Windstärke. Grundsätzlich kann man sagen, dass Du bei viel Wind einen kleineren Kite und bei weniger Wind einen entsprechend größeren wählst. Als Anfänger solltest Du Dich für einen Allround-Kite, also sogenannte Bow- oder Deltakite entscheiden. C-Kites sind in den meisten Fällen nicht anfängergeeignet und nur fortgeschrittenen Kitern zu empfehlen. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man von Kites, die vor 2011 hergestellt wurden die Finger lässt, da die Sicherheitssysteme damals oft noch nicht auf dem heutigen Level waren. Zum Kitesurfen benötigt man in der Regel mindestens zwei, besser drei Kites um für alle Windstärken gut ausgestattet zu sein. Ein typisches dreier-Kitesetup für durchschnittlich schwere Männer/Frauen ist zum Beispiel:

  • 7 oder 8qm Kite
  • 9 oder 10qm Kite
  • 11 oder 12qm Kite

Kitesurf Ausrüstung: Die Bar – Das Steuersystem

Kitesurfen Anfänger Ausrüstung

Die Bar ist die Lenkstange zur Steuerung des Kites. An der Bar befinden sich je nach System 4-5 Leinen, die mit dem Kite verbunden sind. Außen befinden sich die Steuerleinen, durch die der Kite gelenkt und angepowert werden kann und Innen befinden sich die Frontlines, die dafür sorgen, dass der Kite am Himmel bleibt. An der Bar befindet sich zudem ein sogenannter Adjuster, mit dem der Zug des Kites verändert werden kann. Zudem befindet sich an der Bar ein Sicherheitssystem, so genanntes Quickrelease, mit dem man sich in Gefahrensituationen schnell vom Kite trennen kann.

Kitesurf Ausrüstung – das Board

Kitesurfen Anfänger Ausrüstung
Freestyle Kiteboard mit Boots

Am häufigsten werden wakeboardähnliche, symmetrische Bretter verwendet: Die sogenannten Twin Tips, die sich in ihrer Länge, Breite, Form und Biegfähigkeit voneinander unterscheiden und es somit auch für jeden Fahrstil das entsprechend geeignete Board gibt. Twin Tips werden mit Fußschlaufen gefahren. Erfahrene Freestyle-Kiter nutzen auch gerne feste Bindungen, die vom Wakeboarden übernommen wurden. In den meisten Fällen nutzt man vier Finnen an den unteren Ecken des Boards, um es zu stabilisieren und eine bessere Führung zu haben. Neben den Twin Tips gibt es die surfboardähnlichen Directionals, die nur in eine Richtung fahrbar sind. Diese werden vor allem in der Welle und beim Race genutzt und können mit oder ohne Fußschlaufen gefahren werden.
Zum Anfang macht ein großes und breites Twin Tip – wie man es aus der Kiteschule kennt – zwar Sinn, jedoch kann dies erfahrungsgemäß auch schnell zu groß werden und man muss sich nach kurzer Zeit ein neues kaufen. Von daher empfehlen wir Männern ein Board der Größe 137-140×40-44 und Frauen eins in der Größe 134-138×40-42. Zwar ist der Wasserstart damit anfangs etwas schwieriger als mit einem sehr großen Board, jedoch macht es auch deutlich mehr Spaß, sobald man den Dreh etwas raus hat.

Kitesurf Ausrüstung – Das Trapez

Durch das Trapez ist der Fahrer mit dem Kite verbunden und der Druck aus dem Schirm wird auf den Körper übertragen. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Typen: Sitztrapeze und Hüfttrapeze. Ein Sitztrapez ist ähnlich wie ein Klettergurt aufgebaut und eher für Anfänger geeignet, da ein Hochrutschen durch entsprechende Gurte verhindert wird und es entlastet den Rücken. Das Hüfttrapez sitzt etwas höher, ermöglicht dafür aber mehr Bewegungsfreiheit.

Kitesurf Ausrüstung – Der Neoprenanzug

Der Neoprenanzug fungiert hauptsächlich als Kälteschutz und verhindert das Auskühlen, wodurch man mit einem passenden Neoprenanzug deutlich länger auf dem Wasser bleiben kann. Während des Sommers empfiehlt sich in Deutschland ein Anzug der Dicke 3/2 oder 4/3, im Frühjahr und Herbst eher ein 5/4er.

Kitesurf Ausrüstung – Schutzausrüstung

Besonders als Anfänger empfiehlt es sich, einen Helm und eine Prallschutzweste zu tragen, um Verletzungen bei Stürzen zu verhindern. Je nach Revier sollte man sich zudem Neoprenschuhe anschaffen um Verletzungen beim Absteigen durch Steine oder Korallen zu vermeiden.

Im Urlaub Kitesurfen lernen

Eine Urlaubsreise von 10-14 Tagen ist generell die beste Gelegenheit zum Kitesurfen lernen. Hier hast Du die Möglichkeit einen 3-5 Tageskurs für Einsteiger zu absolvieren und die restliche Zeit damit zu verbringen dein Können zu verbessern und dein Können soweit voranzubringen dass du dir beim nächsten mal bereits selbstständig an allen Kitesschulen Material leihen kannst und vielleicht noch mit Hilfe der ein oder anderen Privatstunde bereits selbstständig Kitesurfen kannst.

Kitesurfen Lernen Urlaub
Ideale Lernbedingungen zum Kitesurfen: Türkisblaues Flaches Wasser und mittelstarker Wind

Kitesurfen lernen in Deutschland

An der Nord- und Ostseeküste Deutschlands gibt es zahlreiche gute Kiteschulen an Einsteigerrevieren. An der Ostsee eignen sich beispielsweise mehrere Spots auf Fehmarn perfekt für Anfänger. Auf Rügen sind Suhrendorf und Wiek anfängertauglich. Auch die Nordsee bietet einige gute Möglichkeiten für Anfänger, wie beispielsweise die Ostfriesischen Inseln oder der wohl beliebteste Kitespot in Deutschland – St. Peter-Ording. Worauf du bei der Wahl des Spots und der Kiteschule achten solltest, erfährst du im folgenden Artikel:

Kitesurfen lernen – Die besten Tipps für Anfänger

Kitesurfen lernen in Holland

Insbesondere für Kitesurfer aus NRW bieten sich verschiede Spots in Holland an um Kitesurfen zu lernen, die beste Bedingungen für Anfänger versprechen. Der folgende Artikel stellt dir die besten Spots vor.

Kitesurfen Holland – Die besten Spots für Anfänger und Aufsteiger

Wo findest du die besten Bedingungen um im Sommerurlaub Kitesurfen zu lernen? In folgendem Artikel findest du unsere persönlichen Empfehlungen um im nächsten Sommer- Urlaub Kitesurf#en zu lernen:

Sommer, Sonne, Wind — 10 Top Kitespots für den Sommerurlaub

Kitesurfen – Stile & Wettkampf Disziplinen

Freestyle / Wakestyle

Kitesurfen ist wohl der Wassersport, der die meisten Möglichkeiten für verschiedene Fahrstile und Disziplinen bietet. In Wettkämpfen wird meist zwischen den Disziplinen Freestyle, Big Air (Airstyle), Race und Wave unterschieden.
Bei der heute beliebtesten Disziplin auf Wettkampfebene – dem Freestyle – geht es hauptsächlich darum, kraftvolle Tricks abzuliefern. Dabei hakt der Kiter seinen Chickenloop aus dem Trapezhaken aus, sodass der nur noch durch die Leash mit dem Kite verbunden ist und der volle Zug des Kites auf den Armen lastet. Der Kite wird dabei nicht aktiv zum Absprung genutzt, sondern man „poppt“ sich – ähnlich wie beim Wakeboarden – mithilfe der Leinenspannung aus dem Wasser. Beim Freestyle geht es hauptsächlich um kraftvolle Sprünge und spektakuläre Rotationen, die zum Teil vom Wakeboarden übernommen wurden was auch zu der szenetypischen Bezeichnung “Wakestyle” geführt hat.
Einen guten Eindruck vom Wakestyle bekommt Ihr in diesem Video:

 

Big Air

Auch die Disziplin Big Air sorgt bei Zuschauern und Kitesurfern gleichermaßen für Begeisterung. Beim Big Air ist das Ziel, sich so hoch wie möglich in die Luft zu katapultieren und dabei stylische Tricks wie zum Beispiel Board-Offs zu zeigen. Einer der bekanntesten und beliebtesten Wettbewerbe im Big Air ist der Red Bull King of the Air:

Race

Auch das Race ist eine beliebte Disziplin bei Wettkämpfen. Wie der Name schon sagt, geht es hierbei darum, als schnellstes ins Ziel zu kommen.

Wavekiten

Hier geht es ums Wellenreiten mit einem surfboardähnlichen Directional ohne Fußschlaufen („strapless“). Es finden auch Wettbewerbe statt, in denen die Fahrer beeindruckende Tricks mit ihren Waveboards zeigen.

Kitesurfen Glossar – die wichtigsten Fachausdrücke

Chickenloop & Chickendick: Der Chickenloop befindet sich unten an der Bar und ist der Ring, mit dem man sich in das Trapez einhakt. Der Chickendick ist ein Stab, der zwischen den Chickenloop und den Trapezhaken gesteckt wird, damit unbeabsichtigtes aushaken verhindert werden kann.

Bridles: Bridles sind die Waageleinen am Kite, die ihn in dem gewünschten Winkel halten.
High- und Low-End: Das High-End beschreibt das Verhalten des Kites bei starkem Wind, das Low-End dementsprechend das Verhalten bei wenig Wind.

Bladder: Dabei handelt es sich um den Schlauch innerhalb des Kites, der durch das Aufpumpen mit Luft gefüllt wird.
Front-Tube (Leading Edge): Die Front-Tube ist die vordere Anströmkante des Kites. An der Fronttube befindet sich das Ventil, wodurch die Bladder innerhalb der Tube mit Luft gefüllt werden kann.

Struts: Dies sind die Quertubes des Kites, die sich quer zur Front-Tube befinden und mit dieser verbunden sind. Die meisten Kites sind 3- oder 5-Strutter.

Stall: Der Stall ist der Strömungsabriss des Kites und beschreibt den Zustand, wenn der Kite keinen Zug mehr entwickelt. Beim „Frontstall“ überfliegt der Kite den Kitesurfer, wodurch der Strömungsabriss entsteht und der Kite abstürzt. Beim „Backstall“ steht der Kite sehr tief im Windfenster und wird vom Wind – statt nach oben – nach unten gedrückt, wodurch der Schirm anstürzt.

Wissenswertes zum Thema Kitesurfen

Was kann Kitesurfen kosten?

Das teuerste am Kitesurfen sind die Kites. Gute, gebrauchte Kites bekommst Du bereits ab 300€. Beim Gebrauchtkauf sollte man jedoch wie bereits angesprochen darauf achten, dass die Kites in einem guten Zustand und nicht älter als ca. 7 Jahre sind, ansonsten kann es auf dem Wasser gefährlich werden. Eine passende, gebrauchte Bar findet man ab ca. 100€. Für neue Kites bezahlt man inkl. Bar bezahlt meist weit über 1000€.
Gebrauchte Kiteboards erhält man bereits ab 150€, wobei der Preis für neue Modelle im Bereich von 300-1500€ liegt.
Aber das war noch nicht alles: Schließlich fehlen noch Trapez, Neoprenanzug und Schutzausrüstung, wofür man auch insgesamt noch einmal mindestens 250€ einplanen kann, wenn man gebrauchtes Material kauft.

Fazit: Falls du mit dem Kitesurfen anfangen möchtest, musst du mindestens 1000€ für eigenes Material einplanen. Man muss sich zwar nicht direkt das neueste Material kaufen, dennoch sollte man aber vor allem beim Kite und der Bar nicht zu sparsam sein, denn veraltetes oder kaputtes Material kann auf dem Wasser sehr gefährlich werden. Als kleinen Tipp: Kiteschulen tauschen am Ende jeder Saison ihr Material aus. Es lohnt sich also bereits beim Kitekurs an der Schule nach gebrauchtem Material zu fragen – hier kannst du, zumindest bei deutschen und niederländischen Schulen sicher sein, dass es nur eine Saison alt, gut gewartet ist und dir kein Mist angedreht wird. Außerdem hast du somit einen Ansprechpartner für das Material falls es mal Probleme gibt.

Kitesurfen FAQ – Die häufigsten Fragen

Ist Kitesurfen gefährlich?

Nein, wenn du einen Kurs absolviert hast, mit den Sicherheitssystemen vertraut bist, das richtige Material wählst und verantwortungsbewusst auf dem Wasser unterwegs bist, ist Kitesurfen kein gefährlicher Sport.

Kann ich mir Kitesurfen selber beibringen?

Man kann sich das Kitesurfen selbst beibringen, stellt damit aber eine erhebliche Gefahr für sich selbst und andere dar. Von daher empfehlen wir Dir dringend, einen Kurs zu absolvieren! Mehr Infos zum Thema Kitesurfen lernen findest du hier:

Kitesurfen lernen – Die besten Tipps für Anfänger

Muss ich Zum Kitesurfen sportlich sein?

Nein, zum Kitesurfen musst du nicht sonderlich sportlich sein. Grundvoraussetzung ist es allerdings, problemlos schwimmen zu können.

Wie hoch kann man mit einem Kite springen?

Die besten Kitesurfer der Welt springen, bzw fliegen bis zu 30m hoch.

Wie lange dauert es, bis ich Kitesurfen kann?

Die ersten Meter fahren die meisten Anfänger bereits nach 8-10 Stunden Schulung.

Wie lange dauert es, bis ich beim Kitesurfen springen kann?

Grundsätzlich kann man das Springen beim Kitesurfen relativ schnell erlernen. Bereits nach ca. 20 Wasserstunden kann man die ersten kleinen Sprünge versuchen.

Was passiert, wenn der Kite abstürzt?

Nach einem einfachen Absturz des Kites kann man ihn in der Regel sehr einfach wieder starten („relaunchen“). Insbesondere bei anfängertauglichen Kites stellt das kein Problem dar.

Kitesurfen Linksammlung:

Kitesurfen bei Youtube

Kitesurf Marken & Hersteller:

North Kiteboarding
ION Watersports
Cabrinha Kiteboarding
NP Wetsuits

… Diese Liste wird langfristig ergänzt. Hast du Empfehlungen für uns? Dann ab damit in die Kommentare!

Hat dich die Lust am Kitesurfen gepackt? Hast du noch Fragen oder Ergänzungen für den Guide? Dann freuen wir uns über einen Kommentar!

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