Mit dem T3 durch Südamerika. 10 Fragen an Carina von Travel Run Play

Nicht nur, weil wir gerade selber durch Südamerika reisen, sondern vor allem weil wir absolute Roadtrip-Fans sind, finden wir die Geschichte von Carina so interessant, dass wir Ihr zu Ihrem Roadtrip durch Südamerika in einem alten T3 ein paar Fragen stellen mussten. Viel Spaß beim Interview!

Hey Carina, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst. Für alle Leser, die dich und deinen Blog nicht kennen, stell dich doch bitte kurz vor. 

Gern! Ich heiße Carina, bin 28 und schreibe und filme seit 2013 auf meinem Blog und dem dazugehörigen Youtube Kanal über meine liebsten Orte auf der Welt und die passenden Laufstrecken.

Ende 2014 habe ich meine Wohnung in Deutschland aufgegeben und bin mit meinem Freund nach Südamerika gereist, um dort unseren Bus abzuholen. Den hatten wir zuvor von Deutschland nach Uruguay verschifft und von dort aus starteten wir unseren Road Trip von Feuerland gen Norden.

Du reist nun seit nunmehr über einem Jahr mit deinem eigenen VW T3 durch Lateinamerika, wie bist du auf diese zugegeben etwas verrückte Idee gekommen?

Ich wollte schon immer länger ins Ausland, ob für eine Reise oder einen Job. Als mein Freund mich fragte, ob ich Lust auf eine Reise im eigenen Van durch Südamerika hätte, war ich natürlich begeistert! Das Ganze sollte ursprünglich ein Jahr dauern, doch dann kamen wir nach zwölf Monaten im Norden Kolumbiens an und es fühlte sich einfach noch nicht nach dem Ende an. So sind wir nun bereits in Mittelamerika und es geht wohl bis in die U.S.A.

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Welche Bedenken hattest du im Vorfeld deiner Reise im Bezug auf Sicherheit oder zB. auch auf die Verlässlichkeit Eures gewählten Fahrzeug?

Zur Sicherheit hatte ich keine größeren Bedenken als bei jeder anderen Reise auch. Ich vertraue generell selten den Meinungen, die mir die Massenmedien von einem Land vermitteln möchten, sondern mache mir lieber selbst ein Bild von einem Ort.

Südamerika kam mir sehr sicher vor und ich hatte nie das Gefühl mich durch das Reisen mit einem eigenen Fahrzeug in Gefahr zu begeben. Um sichere Stellplätze zum Schlafen zu finden, benutzen wir die App iOverlander, in die jeder Reisende Orte eintragen kann, an denen man sich als Camper unterstellen darf.

Einzig die Straßenverhältnisse lassen des öfteren zu Wünschen übrig. Hunderte Kilometer von Schotterpisten und mannsgroße Schlaglöcher

machen dem Auto und einem selbst auf Dauer ganz schön zu schaffen. Die ein oder andere Panne  ist da natürlich vorprogrammiert. Aber nur selten ist eine Situation wirklich aussichtslos und so haben es selbst wir, die wir wirklich sehr viele Pannen hatten, nach Zentralamerika geschafft.

Welches waren die größten Hindernisse, bzw. Stolpersteine hinsichtlich Organisation und Umsetzung Deines/Eures Vorhabens.

Alle bürokratischen Aspekte, die so eine Reise mit sich bringt, waren ziemlich nervenzerreißend und man sollte so früh wie möglich beginnen alles abzuklären, was abzuklären ist. Wir haben zwar zeitig mit der Planung angefangen, aber viele Prozesse dauern einfach länger als man denkt, vor allem wenn Behörden involviert sind und so waren wir heilfroh, dass wir doch noch alles kurz vor unserem Abflug erledigt bekamen.

Ein Stolperstein aus Fahrzeugsicht war, dass das gute Stück leider kurz vor dem Verschiffungstermin nicht anspringen wollte. Es tat sich einfach nichts und Du kannst Dir sicherlich vorstellen wie miserabel wir uns gefühlt haben. Es blieb uns nichts anderes übrig als die Verschiffung zu verschieben und auf Fehlersuche zu gehen. Das Problem ließ sich glücklicherweise in den folgenden Tagen beheben und der spätere Termin führte einzig und allein dazu, dass wir zwei Wochen länger in Buenos Aires auf das Auto warten mussten. Zumindest ist Buenos Aires nicht die schlechteste Stadt um Zeit totzuschlagen!

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Was würdest du beim nächsten mal anders machen? Welchen Tipp kannst du unseren Lesern mit auf den Weg geben, die einen Long-Term- Roadtrip planen?

Ich würde auf jeden Fall das Auto, mit dem ich den nächsten großen Road Trip bestreiten würde, vorher ordentlich Probe fahren. Wir haben das damals leider nicht geschafft und so haben wir die ganzen Macken und Wehwehchen des Vans erst auf der Reise kennengelernt. Das muss nicht grundsätzlich schief gehen, aber man spart sich einfach jede Menge Anspannung und Nerven, wenn man das Gefährt auf gewohntem Boden erkundet und nicht erst mitten auf der Reise, wo man im Falle des Falles nicht auf Anhieb weiß wo der nächste (gute) Mechaniker ist.

Was hast du in Südamerika im Vergleich zu Deutschland am meisten vermisst und/oder am meisten geschätzt?

Ich bin ein großer Liebhaber von grünem Tee, der in Lateinamerika, wenn überhaupt, nur in sehr schlechter Qualität zu finden ist. Davon habe ich einige Päckchen aus Deutschland mitgenommen und zudem noch Trocken-Hefe und Sauerteig. Letzteres in weiser Voraussicht, da man das Brot hier wirklich in die Tonne kloppen kann. So kann ich unterwegs mein eigenes Brot in der Pfanne backen.

Was mir wirklich fehlt sind schöne Laufstrecken. Auf knapp 90% meiner Läufe in Südamerika war ich an stark befahrenen Straßen unterwegs, weil es einfach keine andere Möglichkeit zum Joggen gab. Da kann ich noch so gute Musik auf den Ohren haben – nach dem 5. LKW, der an mir vorbeidonnert (und mich mit großer Wahrscheinlichkeit noch anhupt), bedarf es wirklich Durchhaltevermögen die geplante Strecke durchzuziehen.

Jedes Land hat seinen eigenen Charakter/Vorzüge — Dürftest du dir nur ein Land deiner bisher bereisten Länder aussuchen- in welches du nochmal Reisen darfst: Welches wäre es und warum?

Definitiv Kolumbien. Die Vielfalt der Natur, die kleinen, entspannten Städtchen und die Freundlichkeit der Menschen haben mich einfach überwältigt. Kaum ein anderes Land in Südamerika hat in den letzten Jahren so einen positiven, großen Schritt Richtung Zukunft getan.

Noch vor knapp fünf Jahren haben sich selbst Einheimische nicht in viele Regionen ihres eigenen Landes getraut und mussten stets nachfragen, wie die aktuelle Situation auf den Straßen war, bevor sie eine Reise antraten. Heute bist Du als Reisender der lebende Beweis für die Veränderung, die im Land stattfindet und wirst dementsprechend mit offenen Armen empfangen. Ich bin sehr gespannt wie sich Kolumbien in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird.

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Wie man unschwer erkennt bist du Laufbegeistert und hast gerade erst dein eigenes E-Book zu dem Thema herausgegeben. Wie schaffst du es, dich auf Reisen neben all den Eindrücken, und dem Klimaunterschied zu Deutschland, sowie dem „daily Business“ zum Laufen zu motivieren?

Ich laufe einfach super gerne. Laufen ist meine Art der Meditation und die Zeit, die ich nur für mich habe und alle Erlebnisse der Reise wirklich verarbeiten kann. Alle paar Wochen schreibe ich mir einen Trainingsplan mit 2-3 Läufen und weiteren Kraftübungs- und Yoga-Einheiten pro Woche. An diesen geplanten Tagen gibt es nichts zu rütteln. Ich behandle diese Termine

wie Geschäftstermine, denn einem Kunden würde ich auch nicht absagen, nur weil es gerade regnet oder ich gerade keinen Bock habe.

Für mich ist Laufen kein „Muss“, dass ich zu erledigen habe, sondern eine Möglichkeit abzuschalten, etwas für mich zu tun und auch um neue Ideen zu finden. Denn die kommen beim Laufen von ganz allein zwischen geistigem Leerlauf und dem Runner’s High.

Wie sieht dein „typischer“ Tagesablauf aus, sofern es den gibt?

Ich folge keiner strengen Tagesroutine. Das wäre auch kaum möglich, da jeder neue Ort, an den ich komme neue Erlebnisse und auch Herausforderungen birgt. Normalerweise versuche ich jedoch fast jeden Tag als allererstes eine Runde Sport zu machen. Das kann eine Runde Laufen sein oder auch nur ein ausgiebiges Dehnen. Danach kommen Frühstück und alle Alltagspflichten, die anstehen: Bus aufräumen, abspülen und dann eventuell die Weiterfahrt an einen anderen Platz. 

Falls wir ein paar Nächte an einem Ort bleiben wechseln sich Arbeit und Freizeit zwischen Vor- und Nachmittag ab. Manche Aktivitäten sind spaßiger am Nachmittag, dann nutze ich die Früh zum Arbeiten und andersrum. Mittags gibt es oft ein Almuerzo, also ein günstiges Mittagsmenü, das man in Lateinamerika in vielen kleinen Restaurants bekommt, doch Abends koche ich liebend gerne selbst. 

Was ist die für dich wichtigste Erkenntnis / Lehre aus der bisher gereisten Zeit in Südamerika? 

Was mich vermutlich am meisten erschüttert hat ist der Umgang mit Abfällen und den natürlichen Wasserressourcen. Flaschen werden aus fahrenden Bussen geworfen, Plastik wird zusammen mit anderem Müll verbrannt, viele Flüsse und Seen sind hochgradig verschmutzt. Das Miterleben dieser Zustände hat mir vor Augen geführt, wie wichtig Bildung ist. Die Kinder und auch die Erwachsenen haben nie gelernt, wie man Müll umweltbewusst entsorgt und, dass man Abwasser nicht einfach in den nächsten Bach abfließen lassen darf. Ganz abgesehen davon, dass kaum nachhaltige Verwertungs- und Aufbereitungsanlagen existieren.

Dies hat mich vor allem dankbarer gemacht für die Ausbildung und die Möglichkeiten, die mir geboten wurden, für das Umweltbewusstsein, das in Deutschland herrscht und, dass Nachhaltigkeit immer weiter auf dem Vormarsch ist. Ich hoffe inständig, dass sich dieser Trend auch sehr bald global abzeichnen wird.

Ihr habt jetzt auch Lust auf einen Roadtrip im Van bekommen? Schaut doch mal in Carinas Frage- und Antwortvideos rein, wo sie noch weitere Fragen zum Thema Reisen im Van und Ihrem Südamerikatrip beantwortet.

 

 

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