Road Trip Portugal Van Life

Road Trip in Portugal – 
Im Van von Lagos nach Nazaré

Die Auswahl an europĂ€ischen Zielen an denen im Winter noch angenehme Temperaturen herrschen die den Winterblues ein wenig dĂ€mpfen ist relativ groß. Möchte man zusĂ€tzlich auch noch surfen, schrĂ€nkt sich die Auswahl wiederum etwas ein. Portugal ist sicherlich nicht die wĂ€rmste Region im Winter, sowohl was Wasser- als auch Außentemperaturen betrifft, glĂ€nzt aber dafĂŒr durch immerhin durch mindestens frĂŒhlingshaftes Klima, nahezu keine Touristen außer ein paar ĂŒberwinternden Rentnern und ausgezeichnete Surfbedingungen. Mein Portugal Road Trip fĂŒhrt mich 10 Tage von den menschenleeren StrĂ€nden an der Algarve ĂŒber Lissabon, die SurfstĂ€dtchen Peniche und Ericeira zu den weltberĂŒhmten Riesenwellen von NazarĂ©.


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Auf Wellensuche an der Algarve

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Im Sommer, FrĂŒhjahr und Herbst fest in der Hand britischer und deutscher Touristen, platzt die Algarve aus allen NĂ€hten. Das architektonische Bild ist vielerorts dominant geprĂ€gt von riesigen Ferienkomplexen und Golfresorts. Doch im Winter sind die meisten Orte hier wie ausgestorben. FensterlĂ€den sind geschlossen und das Angebot an billigen Airbnb’s ist zahlreich. Ich wohne fĂŒr 15€ die Nacht direkt am Praia da Luz, welcher nur 10 Autominuten von Lagos entfernt ist.

 

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Meine Hoffnung lag darauf, dass sich der angekĂŒndigkte Nordwestswell auch hier unten in brauchbare Surfbedingungen verwandelt, doch leider hat sich die Natur das ganze anders ĂŒberlegt. Das Wasser ist flach wie die deutschen PfĂŒtzen zuhause. Wer hier surfen will, kann sich den Weg bei unter 10ft vorhergesagtem Westswell sparen. Der nĂ€chste Surfbare Strand, welcher westlicher ausgerichtet ist, aber noch nicht die volle Breitseite westlicher Swells abbekommt ist der Praia Tonel in Sagres. Diesen steuere ich an und finde neben einem Filmdreh fĂŒr eine portugiesische Soap HĂŒft- bis Schulterhohe Wellen die mir eine erste super Surfsession bescheren.

Sehr große Wellen

Road Trip Van Life Portugal

Recht weit oben auf meiner persönlichen Liste der Dinge-die-ich-mal-sehen-möchte steht, seit ich das erste mal davon hörte, NazarĂš. Der Ort an dessen KĂŒste bei passenden Swells durch entsprechenden geographische Gegebenheiten Wellen von bis zu 30m GrĂ¶ĂŸe entstehen und dazu auch noch von einer Handvoll wahnsinnigen gesurft werden. Kein Wunder dass hier auch mittlerweile die WSL Bigwave Series fĂŒr einen jĂ€hrlichen Tourstopp im Ort einfĂ€llt um den wahnsinnigsten aller Wahnsinnigen zu kĂŒren. Die Swellvorhersage passt gerade ziemlich perfekt mit angesagten 30-45ft aus Nordwest bei einer Periode von 18Sekunden. Das einer dieser Tage spĂ€ter als RekordverdĂ€chtig in die jĂŒngere Surfgeschichte mit der vermutlich grĂ¶ĂŸten je gesurften Welle eingeht konnte ich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

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FĂŒr den Rest meines Trips habe ich meinen schnittig-hĂ€sslichen Citroen Cactus gegen einen umso praktischeren Renault Campervan von Westcoastcampers getauscht und mich auf den Weg nach NazarĂ© gemacht. Meinen Camper parke ich direkt auf der Klippe vor der Zufahrt zum 📍Farol de Nazare und bereite mein Nachtlager vor.

Noch vor Sonnenaufgang bin ich auf den Beinen und mache mich auf den Weg in Richtung Leuchtturm. Es ist noch dunkel und ich bin nicht alleine –  Die ersten Kamerastative werden aufgestellt, ich sehe Leute mit FunkgerĂ€ten und professionellem Filmequipment. Ein gutes Zeichen? Ein erster Blick aufs Wasser der Weg hat sich gelohnt!. Draußen auf dem Meer ist riesengroße DĂŒnung zu sehen und die Wellen brechen in beachtlicher GrĂ¶ĂŸe draußen vor dem Leuchtturm.

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Wie gebannt starre ich von meinem Aussichtspunkt direkt am Leuchtturm auf das Wasser und vergesse die Zeit. Es vergeht ĂŒber eine Stunde bis die Sonne die Gischt und Wassermassen in goldenen Glanz hĂŒllt. Die GrĂ¶ĂŸe der Wellen ist beachtlich und bei jedem Einschlag bebt die Erde.

Die herrschenden Naturgewalten sind so faszinierend und wirken fast hypnotisch so dass ich einen Moment völlig die Zeit vergesse. Ein kleiner schwarzer Punkt in meinem Blickfeld reißt mich aus meinem starren und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Jetski! Und es folgen weitere. Nach etwa einer Stunde sind mittlerweile 7 Jetskis auf dem Wasser und ziehen Ihre Kreise. Irgendwann ist es endlich soweit – ein Jetski zieht einen Surfer an einem Seil in eine der heranrollenden RiesenwasserwĂ€nde. Er stĂŒrzt. Die Welle lĂ€uft glĂŒcklicherweise unter Ihm durch und bricht erst einen Moment spĂ€ter. Der Jetski sammelt Ihn auf und weiter geht das Spektakel. Die nahende Flut scheint die Wellen immer besser zu ordnen und immer mehr Surfer lassen sich in die Wellen ziehen. Ich behobachte das Spektakel gute zwei Stunden und muss mich irgendwann durchgefroren ins nĂ€chste CafĂ© retten und bei einem Galao aufwĂ€rmen.

StĂŒrmische KĂŒste – Peniche und Ericeira

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Der Riesenswell, welcher in NazarĂ© noch fĂŒr Rekordbedingungen sorgte, traf natĂŒrlich auch auf den Rest der WestkĂŒste. Hinzu kam noch ein recht starker Nordwind, welcher die Auswahl an Spots an denen ich guten Gewissens selber ins Wasser komme deutlich erschwerte.

Jetzt wĂ€re ich an der Algarve vermutlich gut aufgehoben, bin aber leider nunmal im Norden. Großer Swell und Nordwind – heißt alles was möglichst sĂŒdlich ausgerichtet ist könnte funktionieren. Meine erste Anlaufstelle war Peniche. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ lĂ€uft hier immer irgendwo etwas und meine Hoffnung lag auf dem Spot Molhe Leste. WĂ€hrend die nördlichen Spots der Nordsee glichen, hatte ich Recht behalten und Molhe Leste lief. Mit Ihr allerdings schon ca 30 Bodyboarder und die gesamte Local Surfcrew. Dazu ist die Welle zwar nicht sehr groß, aber sehr schnell und hohl – was letztlich dazu fĂŒhrt dass ich mir das ganze lieber durch meine Kamera anschaue. Die Sonne geht bereits unter und ich verbringe den Abend bei Bier und WiFi in der Strandbar um den weiteren Verlauf meiner Spotsuche zu planen und einen Blick auf die Wetterkarten zu werfen.

Ericeira

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Ruppiger Surf in Ericeira

Am nĂ€chsten Morgen weckt mich Petrus unsanft durch stetes zerren und reißen an meinem Campervan. Der Wind hat deutlich zugenommen und die See vor meiner Nase gleicht einem riesen Whirlpool – an surfen ist hier heute nicht weiter zu denken.Road Trip Portugal Van LifeIch mache mich also weiter auf die Suche nach SĂŒdlich ausgerichteten Spots. Ericeira ist nicht nur Surf-Weltkulturerbe und sollte deswegen vielleicht mindestens einmal besucht werden.

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Meine Hoffnung lag darauf dass die große Hafenmole vielleicht genug abhĂ€lt und am 📍Fisherman’s Beach ein paar surfbare Wellen reinlaufen. Dabei ist es dann auch geblieben – auch hier ist es riesig, wenn auch etwas geordneter als in Peniche aber noch weit entfernt von surfbar. Ich schlendere durch das wirklich sehr schöne Ericeira, schaue beim MagicQuiver Shop vorbei und besuche das 📍Surfmuseum. ZufĂ€llig tue ich offenbar einen auch bei Locals 📍 sehr beliebte Bar auf und esse ein leckeres Prego.

Lissabon

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Wenn es ĂŒberall so groß ist, sollten die Spots im Norden von Lissabon rund um Cascais und Carcavelos funktionieren oder zumindest die sĂŒdlichen Spots an der Costa da Caparica. Und falls nicht hat Lissabon eben auch einiges zu bieten, daher steuere ich dies zunĂ€chst an. Ich mache mich mit dem Van auf die Suche nach einem Stadtnahen Großparkplatz den ich als Tipp bekommen habe auf dem man Citynah kostenlos ĂŒbernachten können soll. Etwas skeptisch gegenĂŒber der Idee irgendwo Stadtnah sicher mit dem Camper stehen zu können ohne Probleme mit der Polizei oder Langfingern zu haben mache ich mich auf die Suche nach besagtem Parkplatz und finde diesen auch nach zwei Extrarunden durch Lissabons verzwicktes Verkehrssystem. Der Parkplatz ist tatsĂ€chlich riesig, direkt am Wasser des Tajo Fluß gelegen mit Blick auf die Ponte de 25 Abril und tatsĂ€chlich stehen hier auch wie unschwer zu erkennen ist, zahlreiche Camper und auch einige GĂ€ste mit Ihren Wohn-LKW die offensichtlich nicht erst seit ein oder zwei Tagen hier stehen. Ich komme recht schnell mit einigen der dort lebenden Aussteigern ins GesprĂ€ch und beschließe dass ich hier guten Gewissens stehen bleiben kann.

 

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Free Camping mitten in der Stadt – selten gewordener Luxus in Europa

Der Parkplatz ist ein perfekter Ausgangspunkt um Lissabon zu erkunden. In nur zehn Fußminuten hat man das beliebte Ausgehviertel Bairro Alto und die umliegenden zahlreichen SehenswĂŒrdigkeiten erreicht und auch die sehenswerte 📍LX Factory ist nur etwa eine halbe Stunde Fußweg entfernt.

 

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Surfen an der Costa da Caparica

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Lissabon ist eine wirklich tolle und sehenswerte Stadt – aber da sich die Tage so langsam aber sicher dem Ende neigten, zog es mich nochmals ans Wasser in der Hoffnung ein paar surfbare Wellen an der Costa Caparica zu finden. Der Forecast sah vielversprechend aus mit leichtem Offshore und aktuell 6-8 Fuß Wellen abnehmend in den folgenden Tagen. Ich mache mich nach einer ausgiebigen Stadtbesichtigung in Lissabon abends auf den Weg, ĂŒber die Ponte de 25 Abril und erreiche bereits in ca 20 Minuten die 📍Costa da Caparica.

Im Gegensatz zu Lissabon ist hier offensichtlich alles auf Strandtourismus gepolt. Große Hotels und Apartmentkomplexe, ParkplĂ€tze und eine Strandpromenade locken hier im Sommer die BadegĂ€ste aus Lissabon.

Aktuell ist wie ĂŒberall ziemlich tote Hose und Ich parke den Van auf dem großen Strandparkplatz direkt vor der Polizeistation und schlage hier mein Nachtlager auf. Am nĂ€chsten Morgen weckt mich das Meeresrauschen zeitig und ich werfe noch im Halbdunkel vor dem ersten Kaffee einen Blick aufs Wasser. Die Wellen sind immer noch recht groß und im Wasser ist auch kein Mensch zu sehen. Die Tide steht noch auf Niedrigwasser und ich beschließe erstmal einen Kaffe zu trinken und einen etwas höheren Wasserstand abzuwarten. Der Kaffee ist leer –mittlerweile ist es hell geworden, die Sonne scheint und die Wellen machen einen insgesamt einladenderen Eindruck und zu meiner Freude ist es im Wasser immer noch recht leer. Ich teile mir 2 Stunden lang eine Handvoll Wellen mit ein paar anderen Touristen als auch Locals und beschließe dass das hier der beste und auch letzte Spot meines Trips sein wird. Die Wellen bleiben die nĂ€chsten Tage ĂŒber durchweg super und ich muss mich wundern, dass ich trotz zahlreicher Portugal Besuche noch nie vorher hier gewesen bin.

 

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Am letzten Tag zieht mich die Neugierde noch einmal etwa eine halbe Stunde weiter nach SĂŒden wo ich einen endlos langen Sandstrand finde an dem ich mein letztes Nachtlager aufschlage und auf ereignisreiche 10 Tage Road Trip in Portugal zurĂŒckblicke.

 

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Aufgrund seiner relativ ĂŒberschaubaren GrĂ¶ĂŸe eignet sich Portugal perfekt fĂŒr einen Kurz-Roadtrip. Zwischen den StrĂ€nden an der Algarve und der Region um Lissabon, welche gerade einmal ca 2,5h Autostunden voneinander entfernt liegen, findest Du zahlreiche Surfspots fĂŒr alle Könnerstufen von langen Beachbreak bishin zu Anspruchsvollen Riffen in Ericeira und Peniche.

Tipps fĂŒr deinen Road Trip in Portugal:

đŸ€™đŸŒÂ Die beste Reisezeit fĂŒr entspannte Temperaturen ist zwischen Mitte September und Mitte Oktober und zwischen MĂ€rz und Ende Mai. Aber auch der Winter glĂ€nzt mit sehr milden Temperaturen und allgemein wenig Tourismus – nur mit dem Wetter muss man hier GlĂŒck haben.

đŸ€™đŸŒÂ Wildcampen in Portugal: Du kannst in der Regel ĂŒberall problemlos frei stehen wenn Du Dich an die Regeln gesunden Menschenverstandes hĂ€lst. Hinterlasse keinen MĂŒll und benimm dich nicht wie auf dem Campingplatz (Keine StĂŒhle/Tische vor dem Auto aufbauen etc.). Es gibt aber auch zahlreiche CampingplĂ€tze und offizielle StellplĂ€tze.

đŸ€™đŸŒÂ Autobahnmaut: Die Autobahnen in Portugal sind Mautpflichtig. Es gibt eine speziell eingerichtete Spur, deutlich mit einem grĂŒnen „V“ gekennzeichnet die nur von Autofahrern mit elektronischem MautgerĂ€t zu befahren ist. Ansonsten akzeptieren die Automaten an den Stationen nur Bargeld oder Kreditkarten. Da ich grundsĂ€tzlich selten passend Bargeld dabei habe und die Sache mit dem Bargeld leider auch nicht immer funktioniert benutze ich hier die kostenlose Kreditkarte der DKB.

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