Work & Travel — Einmal um die Welt als Kitelehrer

Ein Leben am Strand & ein Leben im Einklang mit dem Sport den man liebt — dort arbeiten, wo andere Urlaub machen! Klingt zu perfekt um wahr zu sein!? Ist es nicht – sofern man ein paar wichtige Dinge beachtet. Ich selbst bin über 2 Jahre nachdem ich die Uni abgeschlossen hatte, im Alter von 25 alleine durch die Welt gereist und habe das Leben als Kitesurflehrer gelebt und geliebt. Gearbeitet habe ich während der Zeit unter anderem in El Gouna, Ägypten, Boracay auf den Philippinen, Fuerteventura, dem Gardasee, Brasilien und Sansibar. Mir war es vor allem wichtig während meines Jobs, die Welt zu sehen und so viele verschiedene Orte wie möglich kennenzulernen und zu erleben. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Zeit zu dem schönsten und eindrucksvollsten Abschnitt in meinem Leben gehört. ich habe so viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, Freundschaften sind entstanden, ich bin weltoffener und dankbarer geworden für all das was ich sehen und erleben durfte. Da immer wieder die Frage aufkommt wie genau sowas funktioniert habe ich meine Erfahrungen für dich aufgeschrieben, um dir die Vor- und Nachteile aufzuzeigen, sowie alle nötigen Infos mit auf den Weg zu geben. Falls Du Fragen hast, darfst du dich jederzeit gerne bei mir melden!

Wie wird man Kitelehrer /In?

Um Kitesurflehrer zu werden, braucht man eine Lizenz eines anerkannten Verbandes und muss mindestens 18 Jahre alt sein. Diese Lizenz bekommt man durch eine relative kurze aber kostenpflichtige Ausbildung. Es gibt mehrere anerkannte Verbände, aber die beiden größten Anbieter sind zum einen der VDWS (Verband Deutscher Windsurf- und Wassersportschulen) und der IKO (International Kiteboarding Organisation). Von kleineren anderen Anbietern kann ich dir nur abraten, da diese Lizenzen oder Zertifikate oftmals nicht anerkannt werden. Ich habe die deutsche Lizenz beim VDWS gemacht. Der VDWS, ebenso wie der IKO bieten jährlich mehrere Lehrgänge an, die über 5-10 Tage gehen und meistens  an den deutschen Küsten, der Niederlande aber auch in anderen Ländern zu absolvieren sind . Die Ausbildung beim IKO ist ein wenig kürzer und zumindest während der Zeit, in der ich aktiv gearbeitet habe auch ein wenig leichter, wobei zu beachten ist, dass diese Ausbildung in Englisch gehalten wird. Die Kosten der Ausbildung variieren je nach Verband und Ausbildungsort und liegen zwischen 600-800€. Beide Verbände erkennen sich gegenseitig an und man kann auch mit einer VDWS Lizenz in einer IKO lizenzierten Schule arbeiten und umkehrt. Die Ausbildungen beinhalten einen Fachpraktischen und einen Fachtheoretischen Teil, die beide bestanden werden müssen.

Ausbildungsdauer VWDS:

Vorab brauchst du einen aktuellen Erste-Hilfe Nachweis über 9 Stunden, einen Rettungsschwimmerschein in Bronze, sowie einen Nachweis ein Motorboot führen zu können. Dann kannst du den Lehrgang machen und musst anschliessend an einer lizensierten VDWS Schule ein Praktikum über 100 Stunden absolvieren.

Ausbildungsdauer IKO:

Unterschieden wird beim IKO in Instuctorlevel I und II. Für den Kurs braucht man auch einen Erste- Hilfe Nachweis. Ausserdem brauch man vorab eine Ausbildung zum Assistent Instruktor, die etwa 300€ kostet. Danach darf man den Level I Instructor Kurs belegen, der einem berechtigt 2 Schüler zu unterrichten. Erst danach darf man Level II Instruktor machen. Die Kosten des Level I Kurses belaufen sich auf 790€

Was lernt man? — Die Schwerpunkte der Ausbildung:

1. Training des Fahrkönnens

2. Demonstrationsfähigkeit

3. Einführung in Unterricht und Planung

4. Organisationsformen und praxisnaher Unterricht

5. Durchführung eines Einsteigerkurs

6. Unterricht für Fortgeschrittene

7. Unterricht für Kinder, Animation

8. Berufsbild oder Job : Chancen und Möglichkeiten

9. Materialkunde


Soviel verdienst du als Kitesurflehrer

Jetzt wird es schwierig, denn hier gibt es viele regionale Unterschiede. Auch habe ich gelernt das es viele schwarze Schafe gibt in dem Business. Nur weil man selber so viel Ambition in den Sport steckt, heißt dass nicht, dass dein Chef der Kiteschule dies auch tut. Leider steht hier häufig das Geld verdienen als die Schulungsqualität im Fokus. Tipp: Schau dir daher am besten vorher in Ruhe die Schule und deren Schulungsprozess an, sprich mit Schülern und auch mit den anderen Instruktoren.

Vergütet wird üblicherweise auf Provisionsbasis (prozentualer Anteil) je absolviertem Kurs, dazu meist eine Unterkunft und gegebenenfalls noch Essen und ein Fixgehalt. Manchmal zahlen Schulen auch nur ein Fixgehalt, wobei ich da ganz genau hinschauen würde. Die Kitelehrer die ich kennengelernt habe, die unter Fixgehalt gearbeitet haben, hatten oftmals eine 6-7 Tage Woche und Gehälter von nur um die 1000€ im Monat. Das ist absolute Ausbeute und man kann sich an fünf Fingern ausrechnen, dass auch wenn man am Strand und im Wasser arbeitet, eine derart niedrige Entlohnung nicht gerechtfertigt ist. Auch bieten manche Schulen an, auf Tagessatzbasis zu arbeiten. Hierbei sollte man sich den Stundenlohn am besten selber vorher ausrechnen. 

In der Regel beträgt die Provision 20-30 Prozent je Kurs. Bei einem Gruppenkurs von 2-4 Personen kommt man da auf einen Stundenlohn je nach Region von 15-35€. Bekommt man dann noch die Unterkunft, ein kleines Fixgehalt von 100-300€ und Essen kann man sich absolut nicht beschweren und kann gut davon Leben. Man muss ja auch sagen, das in den meisten Länden die Lebenshaltungskosten sehr niedrig sind. Flüge zahlt man in den meisten Fällen selber und diese kosten je nach Ziel auch gerne mal bis zu 800€. Das sollte man mit einkalkulieren. Ein Gehalt von mindestens 1500€ bis etwa 3000€ je nach Arbeitsintensität ist durchaus realistisch.

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So findest du Jobs als Kitesurflehrer

Jobs findet man über die jeweiligen Verbände selber oder auch online in den Social Media Kanälen (Bei Facebook z.B. unter folgender Gruppe: Kitesurf Instructors worldwide ! Infos I Job offers I Unity) Beim VDWS auf der Homepage findet man auch Stellenausschreibungen, wobei die meisten Angebote auf den Seiten vom IKO zu finden sind. Das Problem dabei ist, dass nur IKO lizensierte Lehrer Zugang zu den Stellenangeboten der Schulen haben. Am Besten man fragt einen IKO Lehrer ob er dir die Stellenangebote zuschicken kann. So habe ich es immer gemacht und mir so meine Jobs aussuchen können.

Nebenkosten & Co — Was du sonst noch wissen musst:

Das wirklich schöne bei dem Job ist man hat nicht viele Nebenkosten. Da ich meine Wohnung nach dem Studium aufgegeben habe und sich meine Mutter riesig gefreut hat, dass ich ihr den Keller mit meinen Sachen voll gestellt habe, braucht es nur noch eine vernünftige Auslandskrankenversicherung. Da bietet sich z.B die Versicherung der Hansemerkur an die für Langzeitreisende ausgelegt ist. Kostenpunkt etwa 50€ im Monat. Lies dazu am besten unseren Artikel zum Thema Geld & Versicherungen im Ausland.

Wie lange bleibt man vor Ort?

Wie lange man vor Ort an einer Schule bleibt ist von Region zu Region unterschiedlich. Meistens dauert eine Saison in etwa 3-5 Monate. So lange hätten die Schulen dann auch gerne das man bleibt. Das schöne ist, dass man immer dem Wind hinterher reisen kann. Je nach Windsystemen haben manche Kitedestinationen wie Sansibar beispielsweise auch 2 mal im Jahr Saison. Die Winter habe ich auf Boracay, Sansibar und Brasilien verbracht. Die Sommer bieten sich auch in Europa an oder im naheliegenden Ägypten. Wobei man bei der Auswahl der Länder natürlich nicht nur rein auf den Spot, die Windwahrscheinlichkeit und das Geld achten sollte, sondern auch in heutigen Zeiten gegebenenfalls die politische Lage des Landes zu beachten ist. Ich habe meisten 3-4 Monate an einem Ort verbracht, hatte dann kurz Zeit nach Hause zu fliegen meine Freunde und Familie zu sehen um dann wieder in das nächste Flugzeug zu steigen. Für mich war das eine optimale Zeitspanne. Nach 3 Monaten hatte ich immer das Gefühl das ich was anderes sehen und weiterziehen wollte.

1052145_533733193354787_1887587316_oGeldverdienen vs. Traumziel! Was sind gute Orte zum arbeiten?

Ich hatte mir immer gesagt, dass ich an jedem Ort nur einmal arbeiten möchte um so viel es geht von der Welt zusehen. Sansibar hatte es mir angetan und ich habe damals eine Winter- und Sommersaison dort gearbeitet. Die Bezahlung lag bei 30% Kursanteil, damals je nach Kurs 15-36€ Stundenlohn. Wir haben 150US Dollar Festgehalt bekommen, Essen und Trinken gab es im Hotel for free ausser alkoholische Getränke und die Unterkunft war auch super. Ich hatte viel Zeit selber Kitesurfen zu gehen und einen Tag die Woche frei. Das war für mich ein idealer Spot zum leben und arbeiten. Aber nicht immer hat man alles und muss auch mal Kompromisse eingehen. Schaut was euch wichtig ist: Gutes Geld oder viel Freizeit? Warmes Wasser oder Neoprentemperaturen? Party oder ruhiges Fleckchen Erde?

Vor ein paar Jahren noch war Ägypten auch so ein Spot. Gutes Geld, viel Zeit zum Kiten, viele andere Lehrer und eine sehr gute Windwahrscheinlichkeit. Durch die politische Lage in Ägypten und in der arabischen Welt, hat sich das wohl geändert. Viel Geld, aber wenig Freizeit zum selber Kiten bekommt man z.B. auch an europäischen Destinationen wie dem Gardasee. Mann hat durch die täglich kommenden und gehenden thermischen Winde und den Schulungsbedingungen vom Boot eigentlich kaum Zeit selber zu kiten. Ausserdem braucht man einen Motorbootführerschein um Boote mit über 40 PS zu fahren die man zum schulen braucht.

Also überlegt euch gut, informiert euch viel über die möglichen Schulen und Spots und guckt ob es das richtige für euch ist, denn Kiteschule ist nicht gleich Kiteschule und Spot ist nicht gleich Spot. Zum Vergleich: In Sansibar habe ich monatlich bei täglichem selber Kiten zwischen 1500- 2300€ verdient. Am Gardasee waren es zwischen 2000-2800€ und in Ägypten auch zwischen 1500-2500€. Auf Fuerteventura habe ich 2 Monate für eine Schule für einen Stundenlohn von 10€ gearbeitet Die anderen Lehrer arbeiteten dort mit Festgehalt zwischen 700-1000€ im Monat. Das würde ich nie wieder machen und habe das auch nur eine kurze Zeit gemacht und dann die Insel verlassen.

Abschließende Tipps für das Leben als Kitelehrer

  1. Wenn du lange Reisen willst, versuche so wenig wie Möglich an Kosten zu Hause zu haben (Wohnung auflösen, Verträge, wie Handy, Fitnessstudio etc.)
  2. Sucht euch Orte und Schulen die euch fair bezahlen. Fragt gezielt nach freien Tagen, bei prozentualer Beteiligung nach etwaiger Arbeitszeit pro Tag etc. Euer Einkommen sollte nicht geringer als 1500€/Monat sein. 
  3. Nutzt die Chance um so viel wie Möglich von der Kitesurfwelt zu sehen. Immer nur an einer Schule zu bleiben wird irgendwann langweilig.
  4. Durch den Wechsel von Spot und Arbeitsmethoden (Bootsschulung, Flachwasserschulung etc.) bildet ihr euch selber fort und werdet routinierter und besser.
  5. Arbeitet die Schule mit vernünftigem Material?- oder müsst ihr ständig vom Wasser mit euern Schülern weil die Kites kaputt gehen. Achtet darauf, dass ihr vernünftiges Arbeitswerkzeug habt.
  6. Was gehört mit zum Alltag in der Station? Seid Ihr für Materialpflege- oder gar Reparatur zuständig oder müsst Ihr vielleicht auch im Shop oder Office arbeiten, und wird dies gesondert bezahlt?
  7. Wie ist die Windstatistik des Landes? Besonders bei Arbeit auf Provision ist es wichtig das der Wind auch kommt, sonst verdient ihr zu wenig.
  8. Mögt ihr Land und Leute? Wenn man die Monate vor Ort ist arbeitet man viel mit Einheimischen und kommt selber über die Touristenstellung hinaus. Versucht die Sprache zu lernen und euch gut mit den Einheimischen zu stellen um so Kultur, Land und Leute auch wirklich kennenzulernen.

 

Habt Ihr Fragen zum Reisen & Leben als Kitelehrer? Ab damit in die Kommentare!

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